Schwere Bebenserie in Afghanistan

27. März 2002, 18:56
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Ausmaß der Schäden noch nicht absehbar - Minen gefährden Zufahrt zum Krisengebiet

Kabul/Nahrin - Nach den zwei schweren Erdbeben Montagabend und Dienstagfrüh hat am Mittwochmorgen ein neues Beben mit der Stärke 5,8 nach Richter den Norden Afghanistans erschüttert. Die Erdstöße waren gleich stark wie jene am Tag davor, auch das Epizentrum war dasselbe: nahe Nahrin, jener Stadt, die bereits fast völlig zerstört war. Über die Zahl der Todesopfer lagen weiterhin nur ungesicherte Meldungen vor, Expertenschätzungen zufolge werden es weit mehr als 4000 sein.

Schon in den Stunden nach den Erdstößen am Dienstag wurde das Katastrophengebiet von Nachbeben erschüttert, durch die viele weitere Menschen ums Leben kamen. Zwischendurch gruben die unver-letzt Gebliebenen mit bloßen Händen nach verschütteten Überlebenden. Drei Dörfer waren zu 80 Prozent zerstört.

Nahrungsmangel

Erste Hilfstrupps mussten Hunderte Schwerverletzte ärztlich versorgen, einige Bauten, die dafür eingerichtet wurden, brachen unter den neuen Erdstößen zusammen. Die Zahl der Obdachlosen stieg auf weit über 150.000. Ihnen fehlen Wasser und Nahrungsmittel, aus Angst vor weiteren Beben lagern sie unter freiem Himmel.

Der Chef der afghanischen Übergangsregierung, Hamid Karsai, sprach den Überlebenden bei einem Besuch in der Bezirkshauptstadt Nahrin Mut zu. Nahrin, wo einst 10.000 Menschen gelebt hatten, war am Mittwoch nur noch ein Trümmerhaufen. Menschen suchten im Schutt nach Überlebenden, fanden aber nur Leichen.

Das gesamte Ausmaß der Schäden war noch unklar, da die Region nur schwer zugänglich ist. "Es ist unmöglich, in viele Dörfer nördlich von Nahrin zu kommen", sagte ein Sprecher der UNO.

Zwei der drei Straßen in das Erdbebengebiet waren durch Erdrutsche verschüttet. Der Verkehr aus der Hauptstadt Kabul wurde stark beeinträchtigt, nachdem zwei Lastwagen im Salangtunnel umgestürzt waren. Experten zufolge sind viele Straßen in der Katastrophenregion nach den Jahren des Krieges vermint.

Die Folgen der Erdbebenserie sind so verheerend, weil die Beben ihre Energie nur zehn Kilometer unter der Erdoberfläche freisetzen. Dies führt aber laut Experten auch dazu, dass die Schäden auf eine relativ kleine Region begrenzt blieben. (Reuters, AFP) Folgende Organisationen in Österreich bitten um Geldspenden für ihren Einsatz im Katastrophengebiet:

Ärzte ohne Grenzen, P.S.K. 93040950, Kennwort "Afghanistan". Caritas Österreich, P.S.K. 7700004, Kennwort "Afghanistan". Hilfswerk Austria, P.S.K. 90001002, Kennwort "Afghanistan". UNO-Flüchtlingshilfswerk UNHCR, P.S.K. 1516500, Kennwort "Erdbeben Afghanistan". Österreichisches Rotes Kreuz, P.S.K. 2345000, Kennwort "Afghanistan". (DER STANDARD, Printausgabe 28.03.2002)

Grafik
Erdbeben in Afghanistan - Epizentrum und Plattentektonik in der Hindukusch-Region
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