Pretoria: Abgabe von Aids-Präparat gerichtlich verordnet

25. März 2002, 16:31
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Abgabe des Mittels an HIV-positive Schwangere sicherstellen

Pretoria - Das juristische Tauziehen um das Aids-Präparat Nevirapine ist in Südafrika in eine neue Runde gegangen. Ein Gericht in Pretoria verfügte am Montag, dass die Regierung die Abgabe des Mittels an HIV-positive Schwangere sicherstellen müsse, obwohl in dieser Angelegenheit das Berufungsverfahren vor dem Obersten Gerichtshof noch nicht abgeschlossen sei. Er habe eine Entscheidung zu Gunsten der Rettung von Menschenleben treffen müssen, erklärte Richter Chris Botha.

Risiko der Übertragung auf Kind wird halbiert

Das Mittel Nevirapine, das die Wahrscheinlichkeit der Übertragung des HI-Virus von der Mutter auf das ungeborene Kind vermutlich halbieren kann, ist in Südafrika zurzeit nur in 18 Pilotregionen verfügbar. Im Dezember hatte ein Gericht auf Drängen von Ärzten und Aids-Aktivisten die generelle Abgabe des Medikaments angeordnet, das die Herstellerfirma Böhringer Ingelheim Entwicklungsländern kostenlos zur Verfügung stellt. Die Regierung hatte dagegen Berufung eingelegt mit der Begründung, dass das Oberste Gericht zunächst die Zulässigkeit einer solchen gerichtlichen Anordnung überprüfen müsse.

Nicht das Leben weiterer Menschen riskieren

Die Regierung argumentiert ferner, das südafrikanische Gesundheitswesen sei wegen mangelnder Infrastruktur zurzeit nicht in der Lage, die Abgabe des Medikaments angemessen zu leisten. Richter Botha hielt dem entgegen, man könne nicht das Leben weiterer Menschen riskieren, nur weil die Regierung noch auf das Ergebnis ihres Berufungsverfahrens warte. Gesundheitsministerin Manto Tshabalala-Msimang hatte jedoch unlängst erklärt, sie werde einen solchen Gerichtsentscheid ignorieren, da er gegen die Verfassung verstoße.

Ressourcen nutzen

Schwere Kritik an dem Umgang der Regierung mit dem Aids-Problem übte auch frühere Erzbischof von Kapstadt und Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu. Das Land habe durchaus die Ressourcen und die Expertise, um den Kampf gegen die Immunschwächekrankheit zu verstärken. Diese gelte es umgehend einzusetzen. Das juristische Tauziehen um das Präparat Nevirapine bezeichnete er als unnötig und unwürdig. "Wir haben uns damit vor der ganzen Welt lächerlich gemacht", wurde Tutu von der südafrikanischen Nachrichtenagentur SAPA zitiert. In Südafrika gelten etwa 4,7 Millionen Menschen, fast zehn Prozent der Bevölkerung, als HIV-positiv. (APA/AP)

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