Erhebungen wegen Versicherungsbetrugs im Fall Schwarz

25. März 2002, 15:55
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Ex-Olympiasieger soll Einbruch fingiert und 109.000 Euro ausbezahlt bekommen haben

Wien - Neue Entwicklungen im Fall des ehemaligen Eiskunstlauf-Olympiasiegers Wolfgang Schwarz: Der 54-Jährige soll bereits zu Jahresende einen Einbruch in sein Wiener Haus fingiert und von einer Versicherung für die angeblich geraubten Schmuckstücke rund 109.000 Euro kassiert haben. Im Landesgericht Wien, wo Schwarz derzeit wegen des Verdachts auf Mädchenhandel in U-Haft sitzt, bestätigte man am Montagnachmittag dementsprechende polizeiliche Ermittlungen.

"Erhebungen in diese Richtung sind im Gange", erklärte Gerichtssprecher Friedrich Forsthuber. Die Staatsanwaltschaft habe allerdings noch keinen Antrag auf Ausdehnung der Voruntersuchung - in Frage kämen die Delikte Betrug bzw. Vortäuschung einer mit Strafe bedrohten Handlung - eingebracht.

Verteidiger: "Absurd"

Herbert Eichenseder, der Verteidiger des Ex-Spitzensportlers, betonte, sein Mandant wäre am 31. Dezember 2001 tatsächlich von Einbrechern heimgesucht worden, während er mit seiner Ehefrau ein paar Tage Winterurlaub machte. Die Eindringlinge hätten die Alarmanlage außer Gefecht gesetzt, ein Fenster eingeschlagen und sich danach am Tresor zu schaffen gemacht, meinte der Anwalt auf Anfrage.

Zweite Überprüfung nach Menschenhandel-Vorwurf

Die Versicherung hätte nach der Schadensmeldung den Fall überprüft und vorerst auch keine Beanstandungen gefunden, so Eichenseder. Daher wurde Schwarz der Großteil der geltend gemachten Summe ersetzt. Erst nachdem der frühere Pirouetten-Star vor knapp zwei Wochen als mutmaßlicher Menschenhändler - er soll mehrere Osteuropäerinnen in den Westen vermittelt und davon finanziell profitiert haben - festgenommen worden war, überprüfte die Versicherung noch ein Mal die Fakten. Und schöpfte offensichtlich Verdacht, so dass es zur Anzeige kam.

Ein Informant behauptet nämlich, Schwarz habe wenige Tage vor dem angeblichen Einbruch angekündigt, er werde Schulden aus "Versicherungsgeldern" bezahlen. "Absurd", meinte dazu sein Anwalt, "er hat zum damaligen Zeitpunkt viel Geld auf seinem Konto gehabt. Er war liquid." (APA)

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