Ein Stück Normalität : Warum Fonds auch geschlossen werden

25. März 2002, 17:03
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Fonds unrentabel, wenn Kapitalvolumen dauerhaft unter bestimmte Grenze fällt

Berlin - Selbst als die Börse schwächelte, hieß es noch: Mit Aktienfonds sind Sie auf der sicheren Seite. Zocken war schließlich out. Börsen haben aber nicht nur die unangenehme Angewohnheit, sich zyklisch auf und ab zu bewegen. Ein Zusammenbruch hat immer auch ein Nachbeben: Dieses traf mit leichter Verzögerung auch die Publikumsfonds. Manche erwischte es so stark, dass die Fondsgesellschaften die Notbremse zogen und dichtmachten. Die Kunden fühlten sich dann oft getäuscht, zumal wenn sie hohe Verluste erlitten haben, weiß Volker Pietsch von der Verbraucherzentrale Berlin. "Ihnen wurde auch die letzte Hoffnung genommen, dass sich der Fonds wieder erholt."

Die Anlage in Fonds wird gerade mit Blick auf die Altersvorsorge immer wichtiger. Deutschlandweit zählt das Bundesaufsichtsamt für Kreditwesen derzeit fast 5.800 inländische und ausländische Angebote. Innerhalb von zwei Jahren verdoppelte sich so auch die Zahl der Fondsbesitzer auf 9,8 Millionen Ende 2001. Damit halten über 15 Prozent der Bevölkerung Fondsanteile - Tendenz steigend.

Mit Fonds stiegen auch die Schließungen

Mit den Fonds stiegen auch die Schließungen. Die im Bundesverband Deutscher Investmentgesllschaften (BVI) vereinten Gesellschaften lösten im vergangenen Jahr 64 Fonds auf. Das Magazin "Der Fonds" zählte in von Mitte Dezember bis Ende März 2002 bereits 19 Anlagen, die vom Markt genommen wurden. Der Sprecher des BVI, Günter Schardt, mag dennoch nicht von einem Fondssterben reden. Bei mehreren tausend Fonds "reden wir hier über einen sehr kleinen Anteil".

Was viele Anleger schockt, ist aus Sicht der Experten letztlich ein Stück Normalität. "Noch vor zwei Jahren waren Schließungen kein Thema", sagt der Direktor des Deutschen Aktieninstitutes, Franz-Josef Leven. Damals fürchteten Anlagegesellschaften und Banken noch den Imageschaden durch eine Schließung - schließlich musste man ja eine Niederlage eingestehen. Heute steht hier der Mut zur Konsequenz: Fällt das Kapitalvolumen eines Fonds dauerhaft unter eine bestimmte Grenze, wird der Fonds unrentabel. Leven schätzt die kritische Grenze auf etwa 10 Mill. Euro. "Darunter werden die Fixkosten zu hoch."

"Fondspolitik ist eher ein zyklisches Geschäft"

Markus Straub, Vorstandsmitglied der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre, sieht gerade Neue-Markt-Fonds gefährdet. "Fondspolitik ist eher ein zyklisches Geschäft", sagt er. "Als Telekommunikationsaktien im Rennen waren, wurden unzählige Fonds mit diesem Schwerpunkt aufgelegt." Das Problem sei dabei, dass alle zu einem hohen Kurs einsteigen. Werden vermehrt bestimmte Branchenfonds aufgelegt, ist das für Straub eher ein Zeichen zum Verkaufen solcher Anteile. Grundsätzlich rät die Schutzgemeinschaft von so genannten "Modefonds" ab. "Die schwimmen auf einer Welle mit, aber dahinter geht es den Bach runter."

Als Alarmsignal wertet Verbraucherschützer Pietsch zudem spärliche Informationen. "Kommt auch auf Nachfrage beim Wertpapierberater der Bank wenig, ist das kein gutes Zeichen." Anleger sollten gleichfalls hellhörig werden, wenn von den Unternehmen, in die der Fonds investiert, auf lange Sicht nur Durchhalteparolen zu vernehmen sind. Würden dagegen neue Kooperationen, Aufträge, Investitionen oder Gewinnerwartungen mit Substanz vermeldet, bestehe weiter Hoffnung. Wichtig sei zudem die Mischung der Aktien, die in einem Fonds stecke, betont Pietsch. Deshalb müssten sich die Anleger die Fondsstruktur genau ansehen: Seien bei einem risikoreicheren Fonds genügend stabile Werte beigemischt, könnten kurzfristige Verluste abgefedert werden. Bei Firmen, deren Aktien unter einen Wert von einem Euro gefallen sind, sei die Luft jedoch regelmäßig raus.

Auch Fusionen führen zu Schließungen

Doch nicht nur Exoten oder Branchenfonds droht die Schließung. Fonds können auch der Fusion von Investmentgesellschaften zum Opfer fallen. Jüngstes Beispiel: Die Übernahme der Dresdner Bank durch die Allianz. Hier werden in diesem Jahr mehrere Angebote vom Markt genommen, weil sie sich zu sehr ähneln. Anders als in Luxemburg ist eine einfache Zusammenlegung in Deutschland nicht möglich. Auch Dresdner und Allianz wählen deshalb den Umweg über eine Auflösung. Dies kann durchaus auch im Interesse des Anlegers sein, wenn durch ein größeres Volumen des verbleibenden Fonds die Fixkosten für Verwaltung und Betreuung auf mehr Schultern verteilt werden.

Auf keinen Fall sollten Betroffene bei einer Umschichtung in einen anderen Fonds derselben Gesellschaft erneut einen Ausgabeaufschlag zahlen, rät Pietsch. Wenn auch die meisten Institute hier einen kostenfreien Tausch anbieten, gesetzliche Vorgaben hierfür gibt es nicht. "Wollen Banken hier erneut Gebühren berechnen, genügt meist schon der Verweis auf die Konkurrenz", meint Leven.(APA)

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