Vor Preisrutsch bei Autoreparaturen

25. März 2002, 19:57
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Studie: Durch neue EU-Wettbewerbsregeln werden Service und Ersatzteile um 15 Prozent billiger

Wien - Das generelle Preisniveau bei Autoservice und Ersatzteilen werde um mindestens 15 Prozent sinken, wenn die Europäische Kommission ihre aktuellen Vorstellungen neuer Vertriebsregeln für den Automarkt ab Herbst 2002 durchsetzt. Das prognostiziert Bernd Kreutzer, für den Auto- markt zuständiger Vice-President des Beratungsunternehmens A. T. Kearney Österreich auf Basis einer Studie.

EU-Kommissar Mario Monti legte dieser Tage den schriftlichen Entwurf zu einer neu- en "Gruppenfreistellungsverordnung" (GVO) für den Automobilhandel vor. Diese liberalisiert den Neuwagenvertrieb - weicht beispielsweise den Gebietsschutz der Händler auf oder stellt im Reparaturbereich die Markenhändler, die vertraglich eng an den Hersteller gebunden sind, den "freien" Werkstätten gleich. Diese sollen nun den gleichen Zugang zu Informationen, Diagnosegeräten und Schulungen über Fahrzeuge bekommen. Auch ist die Definition eines "Original-Ersatzteils", das eingebaut werden muss, um etwa Garantiezusagen zu erhalten, nicht mehr an einen Autohersteller gebunden. Insgesamt werde der Einstieg neuer Wettbewerber ins Werkstattgeschäft erleichtert.

Die Autobranche werde empfindlich getroffen: Denn in der Werkstätte und bei Finanzdienstleistungen (Leasing, Kredit) seien derzeit noch gute Margen einzuspielen, was beim Neuwagenverkauf durch den Konkurrenzdruck nicht mehr der Fall ist.

Machtverschiebung

Laut Robert Kremlicka, Managing Director von A. T. Kearney Österreich, werde sich die Macht im Autogeschäft aber von derzeit starken Herstellern zu künftig starken Handelsketten verschieben. Das bedeute aber nicht unbedingt niedrigere Preise, denn "das Greißlersterben wird sich beschleunigen". Kleine Händler müssten sich in Kooperationen begeben, um zu überleben, oder würden überhaupt aufgekauft werden. Weniger Unternehmen bedeuten aber auch weniger Preiskonkurrenz - sprich: weniger Chancen auf Rabatte. Kreutzer erwartet nach dem Inkrafttreten der "GVO neu" eine "Preisdelle". "Das Pendel wird aber wieder zurückschwingen, sobald weniger Anbieter auf dem Markt sein werden."

Fazit: Das Preisniveau neuer Autos werde sich in Österreich mittelfristig maximal um einen einstelligen Prozentsatz senken. "Das kann man sich heute auch schon erhandeln", so Kremlicka. Genaue Zahlen zu nennen, sagen die A.-T.-Kearney-Mannen, sei derzeit nicht möglich. Falsch sei es jedenfalls, zu glauben, Österreich nähere sich künftig einem Nettopreisniveau von Griechenland (wo die Preise der Kaufkraft angepasst sind) oder Dänemark (wo niedrige Nettopreise die immense Be- steuerung ausgleichen, um Autos "leistbar" zu halten).

Neue Handelsformen

Hingegen werde die kommende Verordnung, die den Vertrieb von mehreren Marken nebeneinander in ei- nem Verkaufslokal erleichtert, neue Handelsformen entstehen lassen, so die Prognose. Die Hersteller teurer Autos werden sich dabei in eine andere Richtung entwickeln als die Massenkonfektionäre. (szem, DER STANDARD, Printausgabe 26.3.2002)

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