Safiya Hussaini wird in zweiter Instanz freigesprochen

25. März 2002, 14:53
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Urteil hat allerdings keine Wirkung auf weitere Handhabe: Im Norden Nigerias wurde bereits eine andere Frau wegen Ehebruchs verurteilt

Abuja - Die zum Tod durch Steinigung verurteilte Nigerianerin Safiya Hussaini ist am Montag freigesprochen worden. Das Gericht hob wegen Verfahrensfehlern das Todesurteil auf, das in erster Instanz nach islamischem Recht, der Scharia, wegen Ehebruchs verhängt worden war. Die Mutter von fünf Kindern wurde auf freien Fuß gesetzt.

Die 35-jährige Safyiatu Hussaini war im Oktober von einem Scharia-Gericht im nördlichen Bundesstaat Sokoto wegen angeblichen Ehebruchs verurteilt worden. Sie hatte ein uneheliches Kind bekommen. Nach dem islamischen Recht gilt das bereits als Strafbestand. Die Frau machte zunächst vergebens geltend, sie sei vergewaltigt worden. Die fünffache Mutter erklärte schließlich, ihr geschiedener Ehemann sei Vater der inzwischen einjährigen Tochter. Hussaini hatte bereits vor der Urteilsverkündung erklärt, sie werde ihren Ex-Mann wieder heiraten.

Ursprüngliches Urteil entfachte weltweite Proteste

Die Verteidigung hatte geltend gemacht, in erster Instanz sei ein Gesetz angewendet worden, dass es zum Zeitpunkt des angeblichen Ehebruchs noch nicht gab. Der Prozess gegen Safiyatu Hussainis hatte weltweite Beachtung ausgelöst. Er entfachte in Nigeria erneut die Debatte um die Verfassungsmäßigkeit der Einführung des islamischen Rechts in zwölf Bundesstaaten.

Nur wenige Minuten nach dem Freispruch von Husaini ist indessen am Montag bekannt geworden, dass ein anderes islamisches Gericht im Norden Nigerias eine Frau wegen Ehebruchs zum Tod durch Steinigung verurteilt hat. Amina Lawal sei bereits am Freitag von dem Gericht in Bakori im Bundesstaat Katsina verurteilt worden, sagten Vertreter des Bundesstaates. (APA)

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