Österreicher ketten sich an russisches Sägewerk

27. März 2002, 12:19
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Protest gegen Abholzung der nördlichen Urwälder - Demonstranten vorübergehend festgenommen

Archangelsk/Wien - Gegen die fortschreitende Zerstörung der russischen Urwälder protestierten 15 Greenpeace-Aktivisten am Solombalski Sägewerk in der russischen Hafenstadt Archangelsk am Weißen Meer. Die Umweltschützer, darunter die beiden österreichischen Aktivisten Gerwald Herz und Thomas Kukovec, ketteten sich bei klirrender Kälte an die Eingangstore des Sägewerks. Dort wurden russische und deutsche Transparente mit der Aufschrift "Verantwortung übernehmen - Urwälder schützen" entrollt.

Nach der Festnahme einiger Greenpeace-Aktivisten im Rahmen eines Polizeieinsatzes sind zumindest die ausländischen Demonstranten nach 15.00 Uhr wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Zehn russische Mitglieder und einige Studenten, die den Umweltschützern Lebensmittel gebracht hatten, befanden sich zunächst noch in Polizeigewahrsam. und wurden einem Schnellrichter vorgeführt.

Greenpeace verlangte, alle festgehaltenen Personen unverzüglich freizulassen. Gerwald Herz, Demonstrant aus Österreich in Archangelsk: "Die unbeteiligten Studenten haben Angst, dass ihnen nun Strafen und Repressalien durch die Behörden drohen. Wir werten diese Vorgangsweise als Versuch, friedliche Umweltschützer und völlig unbeteiligte Menschen einzuschüchtern und verurteilen diese Vorgangsweise schärfstens."

Auswirkungen

Das Solombalski Sägewerk verarbeite Holz aus den letzten Urwäldern im europäischen Teil Russlands, vor allem aus dem 1,5 Millionen Hektar großen Dvinsky-Urwald südöstlich von Archangelsk, erklärte Greenpeace in einer Aussendung. Das Werk produziere pro Jahr über 250.000 Kubikmeter Sägeholz. Zwei Drittel davon werden exportiert. Das Sägewerk beliefere auch den deutschen und österreichischen Markt mit Profil- und Sägeholz. Österreichische Firmen würden pro Jahr Holz und Papier im Wert von über 50 Millionen Euro aus Russland beziehen, erklärte die Umweltorganisation.

"Österreich ist durch den Import von Urwaldholz und Papier mitverantwortlich für die Zerstörung der letzten Urwälder Russlands", erklärte Herz. Viele Menschen im Norden Russlands leben von der Jagd in den Wäldern, sammeln Pilze und Beeren und fischen in den Flüssen, sagte der Aktivist. "Mit den Wäldern verschwindet ihre Lebensgrundlage", so Herz.(APA/red)

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