Heimische Ortsgebühren im internationalen Vergleich sauteuer

25. März 2002, 17:10
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Dafür kommen Österreicher beim Mobilfunk am billigsten davon

Österreichs Festnetztelefonierer zahlen weitgehend mehr als der Rest der Welt, zumindest wenn sie im Ortsbereich telefonieren. Dies geht aus einer weltweiten Analyse des US-Marktforschungsunternehmens Nus Consulting hervor (Stand März 2002). Demnach zahlen die Österreicher im Festnetz für ein dreiminütiges Ortsgespräch im Durchschnitt aktuell 0,14 Euro, nur Finnland ist im internationalen Vergleich mit 0,16 Euro teurer. Bei den monatlichen Grundgebühren liegt Österreich in der 15 Länder umfassenden Studie mit 18,89 Euro auf Platz vier.

Reihung

Ebenfalls auf dem vierten Platz liegt Österreich nach der Erhebung mit durchschnittlich 0,55 Euro für ein Drei-Minuten-Gespräch ins Ausland. Vergleichsweise billig ist Festnetztelefonieren hingegen bei Inlandsgesprächen außerhalb des Ortsbereichs. Ein dreiminütiges Telefonat im "320-Kilometer-Radius" kostet laut Studie hier zu Lande 0,14 Euro und ist damit nur in vier Ländern billiger als in Österreich.

Beim Mobilfunk billig

Absolut billigstes Land unter den fünfzehn verglichenen Staaten ist Österreich im Mobilfunk. Durchschnittlich 0,18 Euro für drei Minuten Handy-Telefonieren sind laut Nus Consulting weltweite Spitze. In den Niederlanden - im Mobilfunk-Ranking zweit billigstes Land - werden für drei Minuten bereits 0,31 Euro verrechnet. Australiens Mobilfunker verlangen für drei Minuten mit 0,73 Euro sogar fast fünf Mal so viel wie die Österreicher.

Deutschland günstig

Extrem günstig ist Telefonieren laut Studie generell in Deutschland. Für drei Minuten im Ortsbereich werden dort im Durchschnitt nur 0,06 Euro verrechnet. Auch die mittlere Grundgebühr gilt mit 8,18 Euro zu den günstigsten weltweit. Die deutschen Tarife Auslandsgesprächen sind mit durchschnittlich 0,12 Euro innerhalb der 15 verglichenen Länder die billigsten. Bei Inlandsferngesprächen wird Deutschland ebenfalls nur von Schweden übertroffen. Und im Mobilfunk ist Deutschland mit 0,38 Euro für drei Minuten immerhin fünft billigstes Land.

USA überraschend teuer

Vergleichsweise teuer telefoniert man hingegen in den USA. Dreiminütige Ortsgespräche sind mit 0,08 Euro zwar relativ günstig, die US-Grundgebühren sind mit durchschnittlich 27,94 Euro aber nach jenen in Kanada die höchsten. Auch Inlandsferngespräche im "320-Kilometer-Radius" sind mit 0,35 Euro extrem teuer, nur Australiens Telekom-Konzerne verlangen mehr. Und auch internationale Ferngespräche sind nur in Südafrika und Finnland teurer als in den USA.

Kritik

Für den obersten österreichischen Telekom-Regulator Heinrich Otruba ist der jüngste Tarifvergleich des US-Beratungsunternehmens Nus Consulting "nicht verifizierbar". Beim Vergleich der Ortsgesprächen ergebe sich eine gewisse Verzerrung, da die Ortszone in Österreich im Umkreis von 50 Kilometern gelte, während in den meisten anderen Ländern nur eine lokale Zone (Vorwahlbereich, Stadt, usw.) als Ortsbereich gelte.

Zumindest innerhalb Europas, meint Otruba, würden die Tarife kaum schwanken. "Wo die Zusammenschaltungsentgelte gleich sind, sind auch die Tarife weitgehend gleich. In den europäischen Ländern weichen die Interconnection-Preise nur um 10 bis 15 Prozent voneinander ab", sagte Otruba am Montag zur APA.

Quellen gefordert

Kritik übt der Regulator vor allem, dass das Beratungsunternehmen keine Quellenangaben und keine Angaben zu den verwendeten Methoden bei der Eigenerhebung oder Auswertung gegeben hat. Auch Erläuterungen, welche Tarifoptionen und Anbieter für den Vergleich gewählt worden seien, fehlten, kritisiert der Wettbewerbshüter. (APA)

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