Hochwasser: Todesopfer in Oberösterreich

26. März 2002, 12:58
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Schäden in NÖ nicht so hoch wie befürchtet - Akute Lawinengefahr in Westösterreich

Wien/Bregenz - Montag wurde es traurige Gewissheit, dass das Hochwasser in Ostösterreich ein Todesopfer gefordert hat. Bei einer Suchaktion wurde in der Nähe des Kraftwerkes Wallsee-Mitterkirchen in Oberösterreich die Leiche eines seit Donnerstag vermissten 69-jährigen pensionierten Landwirtes aus Mitterkirchen gefunden. Der Mann war mit seinem Fahrrad von daheim weggefahren, um "Hochwasser zu schauen".

Die Wassermassen gingen Montag weiter zurück, bei Ybbs (NÖ) etwa sank der Pegel der Donau von 5,91 Meter (Sonntag) auf 5,12 Meter, in Korneuburg bei Wien von 6,58 auf 5,99 Meter. Umfangreiche Aufräumarbeiten werden die kommenden Tage anhalten, Hunderte Keller müssen ausgepumpt, Schlammmassen beseitigt werden. Auch 220 Soldaten des Bundesheeres sind im Hilfseinsatz.

Hochwasserschäden in NÖ nicht so hoch wie befürchtet

Das Hochwasser der vergangenen Woche hat in Niederösterreich vermutlich nicht so große Schäden angerichtet wie befürchtet. Vor allem Privathäuser betreffend sei von einem eher geringen Ausmaß auszugehen, teilte die zuständige Abteilung beim Amt der NÖ Landesregierung heute, Dienstag, laut Landeskorrespondenz mit.

Für den öffentlichen Bereich, also auch Straßen, sind derzeit die Schadenskommissionen der Gemeinden unterwegs. Die Höhe der entstandenen Hochwasserschäden wird auch hier erst in den kommenden Tagen feststehen. "Eines ist aber sicher: Ein Ausmaß wie 1991 und 1997 wird bei weitem nicht erreicht", berichtete die Landeskorrespondenz.

Seit Montag ist auch die beschädigte Schiffsschleuse des Wiener Kraftwerks Freudenau geschlossen. Das Hochwasser hatte ein stählernes Abdeckungsteil beschädigt und etliche andere Teile abgebrochen, hieß es auf Nachfrage beim Verbund.

Die Schleuse wurde gefüllt und wird nach Abflauen des Hochwassers von einem Schwimmkran abgedichtet und ausgepumpt. Erst dann wird es möglich sein, den gesamten - übrigens versicherten - Schaden zu begutachten und zu beziffern. Keine Probleme wird es auch mit der Donauschifffahrt geben, der die zweite, intakte Schleuse zur Verfügung steht.

Katastrophenfonds

Die Mittel des Katastrophenfonds im Finanzministerium betragen rund 7,3 Millionen Euro. Ein Teil davon wird zur Deckung von Hochwasserschäden verwendet. Opfer bekommen das Geld aber nicht direkt ausbezahlt, sie müssen sich an die jeweilige Landesregierung wenden, erklärte Montag Christian Sturmlechner vom Finanzministerium. "Im Schnitt leisten die Länder Ersatz in der Höhe eines Drittels des tatsächlichen Schadens", so Sturmlechner. Die Länder können dann etwa 60 Prozent der Aufwendungen vom Finanzministerium zurückfordern. Leistungen aus dem Katastrophenfonds sind laut Verwaltungsgerichtshof immer steuerfrei.

In Westösterreich herrscht nach den ergiebigen Schneefällen der vergangenen Tage akute Lawinengefahr. Im Land Salzburg wurde die vierte von fünf möglichen Warnstufen ausgelöst. In den Nordalpen und den Tauern wird die Gefahr aufgrund der anhaltend starken Schneeverfrachtungen anhalten, vor Unternehmungen in den hochalpinen Lagen wird dringend abgeraten. In Oberösterreich erreichten die Lawinenwarnungen stellenweise sogar die höchste Stufe. Mit Sorge wird nun außerdem die Schneeschmelze erwartet. Neue Hochwasser könnten auftreten. (APA, red, Der Standard, Printausgabe, 26.03.02)

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