Triumph für "A Beautiful Mind"

25. März 2002, 13:21
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Bester Film, Ron Howard Regie, dazu Drehbuch und Nebenrolle - Black Power: Halle Berry und Denzel Washington - Kein Oscar für Österreich, Nebenpreise für "Der Herr der Ringe"

Los Angeles/Wien - Triumph fast auf der ganzen Linie für "A Beautiful Mind", das bereits mit vier Golden Globes bedachte, geschönte Drama um die Schizophrenie eines Mathematik-Genies: Er bekam den Oscar für den Besten Film, Ron Howard gewann den Regiepreis.

Adddiert man dazu als dritten Hauptpreis den Drehbuch-Oscar, überrascht dies nach den jüngsten Kontroversen um den Film doch ein wenig. Keine Titelverteidigung gab es lediglich für für Hauptdarsteller Russell Crowe; dafür gewann Jennifer Connelly den Oscar für die Beste Nebenrolle.

Höfliche Abfuhr der Academy für "Moulin Rouge" und "Der Herr der Ringe": Sie wurden mit Oscars in den Nebenkategorien abgefunden. Beim "Der Herr der Ringe" sammelten sich freilich dann doch auch derer vier an, darunter als prominente die für Filmmusik und Kamera.

Massive Abfuhr für Frankreichs "Amelie": In fünf Kategorien war sie nominiert, Preis wurde daraus kein einziger. Gleichfalls wider Erwarten unprämiert blieb der Kritikerliebling "In the Bedroom".

Black Power

Halbe Überraschung und zugleich ein Emotionsausbruch von Julia Roberts'schen Dimensionen: Halle Berry wurde (für "Monsters Ball") zur Besten Darstellerin gewählt - und nicht Nicole Kidman (die Favoritin des Boulevards) oder Sissy Spacek bzw. Judi Dench (die Favoritinnen der Kritiker).

Kurz zuvor hatte Sidney Poitier seinen schon länger bekannten Ehren-Oscar überreicht erhalten.

Denzel Washington - für "Trainig Day", sein zweiter Oscar - ergänzte als Bester Darsteller dann das Statement der Juroren für die Wertschätzung afro-amerikanischer Schauspielkaliber (Im Fall von Halle Berry der erste Oscar für eine Afro-Schauspielerin in der Hauptrollen-Kategorie - Hier, an aufmerksame Poster gerichtet, ein Sorry für temporäre Ungenauigkeit, Anm.).

Großer Wermutstropfen dabei: In Kombination mit der Auszeichnungswelle für "A Beautiful Mind" wird eine kritische Analyse wohl zwangsweise ergeben, das sich die Acadamy in ihrem Wahlverhalten ziemlich schamlos für simpel generierbares Sentiment entschieden hat.

Langes Warten

Mit der Verleihung von primär technischen Preisen startete um 2:30 MEZ die 74. Oscar-Nacht. Die erste aussagekräftigen Entscheidung fielen erst ganze drei Stunden später bei den Drehbuch-Preisen:

Beim Besten Adaptierten Drehbuch siegte der "Feelgood-Faktor" von "A Beautiful Mind" über die von Vielen durch die Bank als intelligentere Produkte angesehenen "Ghost World", "In The Bedroom", "Der Herr der Ringe - Die Gefährten" und "Shrek"

Beim Besten Original-Drehbuch siegte - auch eher konservativ, aber wohl unumstrittener - Julian Fellowes mit "Gosford Park" über "Die fabelhafte Welt der Amelie", "Memento", "Monster's Ball" und "The Royal Tenenbaums".

Bei den Fremdsprachen-Oscars siegte wie schon bei den Golden Globes die bosnische Kriegssatire "No Man's Land" (Bosnien, Danis Tanovic) über die populärere "Amelie"; unmittelbar darauf folgte eine Schweigeminute für die Opfer des 11. September (Die Kombination wirkte eher bizarr, Anm.).

Leider kein Oscar für Österreich und Virgil Widrichs "Copy Shop" in der Kategorie des Kurzfilms; es gewannen Ray McKinnon and Lisa Blount für "The Accountant".

Nebendarsteller(innen)

Jennifer Connelly ist - als klare Favoritin - für ihre Darstellung der Alicia Nash in Ron Howards "A Beautiful Mind" mit dem Oscar für die beste weibliche Nebenrolle ausgezeichnet worden.

Weit spannender war etwas später die Wahl des Besten Nebendarstellers: Jim Broadbent wurde es für "Iris" (Eine erfreuliche Wahl für alle, die sich etwa an "Topsy Turvey" erinnern, Anm.) Damit setzte er sich gegen Ethan Hawke ("Training Day"), Ben Kingsley ("Sexy Beast"), Ian McKellen ("Herr der Ringe") und Jon Voight ("Ali") durch.

Musikalisches

Der Beste Song wurde "If I Didn't Have You" von Randy Newman für den Animationsfilm "Monsters Inc."

Howard Shore und "Der Herr der Ringe - Die Gefährten" erhielten dafür den Oscar für die Beste Filmmusik insgesamt.

Technisches

Die Beste Kamera fand die Akademie ebenfalls in "Der Herr der Ringe" (Andrew Lesnie), ebenso das Beste Make-Up und die Besten Visuellen Effekte.

Die Auszeichnung für den Filmschnitt ging an "Black Hawk Down" (Pietro Scalia), ebenso der für die Besten Ton-Effekte.

"Pearl Harbor" holte sich den für den Besten Tonschnitt.

Der Oscar für das Beste Kostüm ging an Catherine Martin and Angus Strathie und den Film "Moulin Rouge"; ebenso der für das Beste Art Design.

Eher gießkannenartige Verteilung auf die Großproduktionen bei den technischen Kategorien also.

Dokumentarisches

Der Oscar für den besten Dokumentarfilm ging an Jean-Xavier de Lestrade and Denis Poncet für "Murder On A Sunday Morning", der für den Besten Dokumentarischen Kurzfilm an Sarah Kernochan and Lynn Appelle für "Thoth".

Animiertes

"Shrek" gewann den Oscar für die neue Kategorie des Besten Animationsfilms.

Bei den Kurz-Animationsfilmen gewannen Ralph Eggleston und "For the Birds" (dem Vorfilm zu "Monsters Inc.").

Entertainment-Beigaben

In den ersten offiziellen Worten des Abends zitierte Tom Cruise vor dem roten Vorhang den großen Regisseur Billy Wilder und kam bereits nach wenigen Minuten auf die Anschläge des 11. September zu sprechen: Unter dem Eindruck der tragischen Ereignisse habe er sich gefragt, ob es von irgendeiner Wichtigkeit sei, was die Filmbranche tue. "Mehr denn je", lautete seine vom Auditorium heftig akklamierte Antwort.

Moderatorin Whoopi Goldberg schwebte in einem glitzernden Kostüm mit großen Schwanzfedern vom Plafond herab und präsentierte sich mit den Worten "Good Evening, Darlings, I'm the Original Sexy Beast!" Woody Allen erhielt für einen Gastauftritt standing ovations. (hcl/APA)

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