Großer Diagonale-Preis an "Jedermanns Fest"

25. März 2002, 05:01
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... für den besten österreichischen Kinofilm in der Höhe von 14.506 Euro, gestiftet vom Land Steiermark/Kultur, sowie dem "Kodak Filmpreis" in Höhe von 3.634 Euro. Die Jurybegründung im Wortlaut

"Die Jury hat sich in den letzten fünf Tagen 11 Spiel- und 10 Dokumentarfilme angesehen. Es ist müßig, darauf hinzuweisen, dass es für uns nicht einfach war, aus insgesamt 3.880.000 Bildern jenen Film auszuwählen, dem heute der Große Diagonale-Preis 2002 verliehen wird. Anmerken möchten wir, dass wir es als problematisch empfunden haben, dass es für Spiel- und Dokumentarfilme keine getrennten Bewertungsmöglichkeiten gab.

Unter den Spielfilmen haben wir viele bemerkenswerte Regiedebüts gesehen, die für die Zukunft des österreichischen Films Interessantes erwarten lassen. Im Bereich des Dokumentarfilms sind uns einige sehr ambitionierte Produktionen aufgefallen; allerdings hätten wir uns bei einigen einen klareren Autorenstandpunkt gewünscht.

Grundsätzlich - das betrifft sowohl den Spiel- als auch den Dokumentarfilm - ist uns aufgefallen, dass der Tonebene nicht genügend Aufmerksamkeit geschenkt wurde und man über den dramaturgischen Einsatz von Musik und Geräuschen genauer nachdenken sollte. Eine zu geringe dramaturgische Durchdringung führte bei manchen Filmen auch zu erheblichen Längen. Diese Kritik beziehen wir durchaus auch auf den von uns ausgewählten Film für den Großen Diagonale-Preis 2002. (...)

Die Entscheidung der fünfköpfigen Jury wurde nicht einstimmig getroffen; es gab eine Gegenstimme. Es ist uns wichtig festzuhalten, dass es bei der Entscheidungsfindung weder unsere Aufgabe war, ein kulturpolitisches Signal zu setzten, noch in den österreichischen filmpolitischen Diskurs einzugreifen. Bei der Bewertung war für uns ausschließlich das Endprodukt, das im Kino zu sehen ist, relevant.

Wir haben uns für einen großen Spielfilm entschieden, der durch seine suggestive Bildkraft und komplexe Erzählstruktur besticht. Der Film greift ein existenzielles Thema auf, das er vielschichtig und mit starken Metaphern erzählt, die niemals in Banalität und Kitsch abgeleiten. Beeindruckt haben uns die ausgezeichnete Kameraarbeit, die inszenatorische Genauigkeit und einzelne Darstellerleistungen. Auch trägt der intelligente Einsatz von Musik und Geräuschen zu einer dramaturgischen Dichte bei.

Wir freuen uns, den Großen Diagonale-Preis an Jedermanns Fest von Fritz Lehner überreichen zu können."

Die Jury: Barbara Fränzen (Kuratorin, Ö), Cornelia Klauß (Kinoleiterin, D), Kurt Palm (Regisseur, Ö), Wolfgang Reiter (Dramaturg, A), Rolf Schmid (Produzent, CH).

Anm.: Bei der Zitierung wurden Rechtschreibung und Interpunktion adaptiert, Begrüßungs- und Überleitungsworte ausgelassen.
(Diagonale/hcl)

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