Die "Pfeffersäcke" feiern Geburtstag

25. März 2002, 09:43
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Börsengeschichte: Die ersten Aktien erblickten vor 400 Jahren das Licht der Welt

Frankfurt - Als am 20. März 1602 in Amsterdam mit der Verenigden Ostindischen Compagnie (VOC) die bis dato mächtigste Handelsgesellschaft der Welt gegründet wurde, erblickte auch die Aktie in ihrer heutigen Form das Licht der Welt.

Die VOC-Aktien waren so genannte Namenspapiere, über deren Besitz ein Register geführt wurde. Diese Aktien waren nach den Erkenntnissen von Wirtschaftshistorikern das erste "dividendentragende Papier", das regelmäßig an der Börse in Amsterdam gehandelt wurde.

In den ersten Jahren konnten die VOC-Aktionäre jedoch nicht auf üppige Zahlungen in Heller und Pfennig hoffen: Stattdessen mussten sie bis 1645 mit exotischen Gewürzen wie Ingwer, Zimt oder Pfeffer vorlieb nehmen.

Spitzname "Pfeffersäcke"

In Zeiten, in denen seltene Gewürze oft in Gold aufgewogen wurden, brachte diese Form der Erfolgsbeteiligung vielen ein ansehnliches Vermögen. Die Auszahlung in Naturalien brachten den frühen VOC-Aktionären schnell den Spitznamen "die Pfeffersäcke von Amsterdam" ein.

Dass die Psychologie bei Aktienkauf und Börsenhandel eine herausragende Rolle spielt, zeigte sich schon 1604, als die ersten Schiffe der VOC dann endlich in See stachen. Allein die Hoffnung auf satte Gewinne aus dem Überseehandel hatte den Kurs der Aktie innerhalb von zwei Jahren um fast 40 Prozent in die Höhe schnellen lassen.

Wer zu den 2153 VOC-Aktionären der ersten Stunde gehörte, konnte sich auch in den kommenden Jahren zumeist über hohe Renditen von bis zu 75 Prozent pro Jahr freuen. Generationen später, 1720, wurde das Papier in Amsterdam um 1260 Prozent über seinem Ausgabepreis gehandelt. In den folgenden Jahrhunderten war der Siegeszug der Aktie - mit wechselvoller Geschichte - nicht mehr aufzuhalten. (dpa, Andreas Framke, Der Standard, Printausgabe, 25.03.02)

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