Die Maus auf dem Honigmond

11. Juni 2002, 21:22
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Im Volksopernglück "Die Generalin" tummeln sich reichlich Regenten von Fantasiemonarchien

Stefan Ender


Wien - Es war in den Sechzigern, als Margaret Rutherford in Richard Lesters Komödie The Mouse On The Moon mitwirkte. Rutherford stand als Gloriana die Dreizehnte dem fiktiven Kleinst-Herzogtum Grand Fenwick vor, dessen Exportschlager Wein war, der beim Dekantieren explodierte. Help!

Auch in Amadeo Vives' Generalin tummeln sich reichlich Regenten von Fantasie-Monarchien. Da ist z. B. Cyrill II., exilierter König von Molavien, der versucht, seine pekuniären Nöte durch ein Darlehen des vermögenden Generals de Tocateca sowie eine Verheiratung seines Sohnes Pius zu lindern: Der doofe Dauphin soll Olga, die hübsche Tochter des Königs Clodomir V. von Spartanopel, zum Altar führen. Das macht er schlussendlich auch, davor verliebt er sich aber in die Gattin des Generals, die ehemals als Chanteuse in einem Nachtlokal tätig war. Ort der Handlung: England.

Kann man Lesters Klamotte unschwer als Satire auf die Absurditäten der Zeit des Kalten Krieges deuten, so ist Vives' Zweiakter im Hinblick auf das Entstehungsjahr 1912 unschwer als heiterer Abgesang auf die Monarchie zu verstehen. Spanisch kommt einem beim Sujet wie auch bei der Musik der Generalin nur wenig vor, machte die Zarzuela in jenen Jahren doch gerade eine eher kosmopolitische Phase durch.

In der gekonnt gesetzten und wirkungsvoll orchestrierten Musik von Amadeo Vives verbindet sich durchsonnte, zuweilen auch etwas naive Vitalität mit spielfreudiger Leichtigkeit. Beide Aspekte wusste Alfred Eschwé auszuleuchten und animierte das Volksopernorchester zudem zu einem eleganten, sinnlichen und präzisen Musizieren: Besser geht's nicht. Dario Schmunck präsentierte den Prinz Pius wie er sein soll - ein bissi blöd; stupend, wie sich sein Tenor just bei den Spitzentönen weitete und beglückend Raum griff.

Edith Lienbacher legte die Titelpartie etwas zu eindimensional als süße Maus im Honigmond an, ihr Sopran bewies Treffsicherheit und Strahlkraft. Klaus Kuttler war als General ein glaubhaft tumber Tor, Arona Bogdan als Prinzessin Olga etwas spröde. Ernst-Dieter Suttheimer und Sigrid Martikke punkteten als Molavisches Königspaar im Komödiantischen.

Werner Hutterlis himmelwärts ansteigende Bühne schließlich spiegelte die poetische Simplizität der Musik ästhetisch ansprechend wider. Gesamtatmosphärisch ließ das stimmige und detailgenaue Regiekonzept Emilio Sagis Reminiszenzen an die großen Musical-Verfilmungen der 50er- und 60er-Jahre anklingen.

Ja: Mit der Generalin ist der Volksoper eine in allen Belangen beglückende, präzise und poetische Produktion gelungen. Chapeau.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25.03. 2002)

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