Lange Gesichter nach Sieg beim Landkauf

24. März 2002, 21:04
posten

Polen zweifelt an den Übergangsfristen

Eigentlich müsste der Triumph der polnischen Politiker überwältigend sein: Als einziger EU-Kandidat hat Polen von Brüssel zwölf Jahre Übergangsfrist beim Landkauf durch Ausländer zugebilligt bekommen. Monatelang hatte Polen um diese lange Frist gekämpft, sogar immer wieder den Abschluss des entsprechenden Verhandlungskapitels "Freier Kapitalverkehr" hinausgezögert.

Doch nun, nachdem das große Ziel erreicht ist, sind die Gesichter von nagendem Zweifel gezeichnet. Denn der lange Schutz des polnischen Immobilienmarktes - zwölf Jahre beim Kauf von landwirtschaftlichen Flächen, die sich durch Pacht im Westen Polens auf sieben Jahre, im Osten auf drei Jahre verkürzen kann, und fünf Jahre beim Kauf von Zweitwohnsitzen und Ferienhäusern durch Ausländer - wird die Preise dauerhaft auf einem niedrigen Niveau halten.

Während in allen anderen EU-Kandidatenländern die ausländische Konkurrenz für ein Anziehen der Preise sorgt und sich der Immobilienmarkt dem westlichen Preisniveau angleichen wird, werden in Polen die Preise stagnieren. Eigentlich sollte die mit der EU ausgehandelte Regelung Polen vor dem "Ausverkauf des Landes" schützen. Tatsächlich aber benachteiligt sie in erster Linie die polnischen Kleinbauern, die ihr Land noch zwölf Jahre lang "für 'nen Appel und 'n Ei" feilbieten müssen, da es nur polnische Kaufinteressenten gibt. Will das Land niemand haben, übernimmt es der Staat für ein paar Zlotys.

Restriktive Landverkaufspolitik

Die restriktive Landverkaufspolitik an Ausländer - es müssen jeweils drei Ministerien ihre Zustimmung geben - hat seit 1990 zum Preisstillstand geführt. Damals wie heute kann man einen Hektar Land für durchschnittlich 2600 Zloty (rund 720 Euro) kaufen, in Nord- und Ostpolen sogar um weniger als 1000 Zloty.

Zum Vergleich: In Westdeutschland kostet ein Hektar durchschnittlich rund 15.730 EURO, in Luxemburg, dem teuersten Land der EU, ca 50.000 EURO und in Frankreich, wo Land günstig ist, rund 3300 EURO.

Das Marktargument spielte allerdings in der hochemotional geführten Debatte um den drohenden "Ausverkauf des Landes" und die Angst vor der "Rückkehr der Deutschen" in die ehemaligen deutschen Ostgebiete, keine Rolle. Doch nun, da die Kapitel "freier Kapitalverkehr" wie auch "Steuern" im Sinne Polens abgeschlossen wurden, fürchtet man, dass der Sieg in Brüssel ein Pyrrhussieg ist. (Korrespondentin Gabriele Lesser aus Warschau, Der Standard, Printausgabe, 25.03.02)

Share if you care.