Sieger ist PricewaterhouseCoopers

25. März 2002, 17:30
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Weltgrößter Wirtschaftsprüfungs- konzern profitiert von Andersen-Kollaps

New York - Der weltgrößte Wirtschaftsprüfer PricewaterhouseCoopers (PwC) hat am stärksten vom Kollaps des Konkurrenten Arthur Andersen profitiert. In den vergangenen Wochen haben zahlreiche große Klienten Andersens wegen des Enron-Skandals und des nun eingeleiteten Strafverfahrens den Rücken gekehrt. Arthur Andersen hat seit Jahresanfang 60 Kunden verloren, darunter waren 15 Unternehmen, die dem Standard-&-Poor's-500-Index an der New Yorker Börse angehören, so etwa der Lebensmittelkonzern Sara Lee, SunTrust Bank Incorporated und der Pharmariese Merck. Auch die Chicago Mercantile Exchange Holdings, die den zweitgrößten Futures-Markt der Welt betreibt, hat Andersen einen blauen Brief geschickt.

Von den 15 Großkunden aus dem S&P-500 sind sieben zu PwC abgewandert, Ernst & Young, die Nummer vier weltweit, konnte vier davon an Land ziehen. Insgesamt haben schon 49 Unternehmen Andersen den Laufpass gegeben, davon konnte PwC insgesamt elf an der Börse gehandelte Firmen gewinnen.

Klienten anwerben

Die nächste Woche wird für die Andersen-Konkurrenten - derzeit läuft ein Strafverfahren wegen Behinderung der Justiz gegen das Unternehmen - ungeahnte Möglichkeiten bieten, meinen Brancheninsider. Topmanager der größten Wirtschaftsprüfungsfirmen (PwC, Ernst & Young, KPMG und Deloitte & Touche) würden bereits kreuz und quer durch die Vereinigten Staaten reisen und versuchen, potenzielle Klienten anzuwerben. "PricewaterhouseCoopers ist mit 33 Prozent der Größte, und das ist ihr wichtiges Verkaufsargument. Sie haben schon vor den Problemen von Andersen den dominanten Anteil unter den 500 börsennotierten Unternehmen gehalten. Darauf schauen die Klienten, sie möchten wissen, ob die Ressourcen vorhanden sind." Dies sagte Jonathan Hamilton, der Herausgeber des US-Fachmagazins

Außerhalb der USA ist die Auflösung des weltumspannenden Netzwerks von Arthur Andersen schon in vollem Gange. Die Töchter in China und in Hongkong haben sich auf das Zusammengehen mit PwC verständigt, während die russische Geschäftsstelle mit Ernst & Young fusionieren wird. In Deutschland, Großbritannien und Italien gilt das ein Zusammengehen mit KPMG als die wahrscheinlichste Variante. (Bloomberg, Der Standard, Printausgabe, 25.03.02)

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