Bei Auslieferung droht Folter

25. März 2002, 10:17
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Ägypter soll abgeschoben werden, Amnesty kritisiert Österreich

Wien - Amnesty International, das Flüchtlingshochkommissariat der Vereinten Nationen (UNHCR) und heimische Flüchtlingsorganisationen warnen eindringlich: Österreich sei drauf und dran, eine grobe Menschenrechtsverletzung zu begehen. Grund: Der 35-jährige Ägypter Muhammad Bilasi A. soll in seine Heimat abgeschoben werden. Was ihn dort sicher erwartet: 15 Jahre Zwangsarbeit. Was ihm droht: Folter und Tod.

A. lebt seit 1995 als Asylwerber in Österreich. Er war aus Ägypten geflüchtet, weil ihm vorgeworfen worden war, einer bewaffneten islamistischen Gruppierung anzugehören. Beweise dafür gab es nicht, der 35-jährige fünffache Familienvater beteuerte immer seine Unschuld. Nach seiner Flucht nach Österreich wurden mehrere medizinische Gutachten erstellt, die beweisen, dass A. in Ägypten schwer misshandelt wurde.

In Abwesenheit wurde A. in seiner Heimat zu 15 Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Ägypten stellte einen Auslieferungsantrag, A. wurde prompt im vergangenen Oktober festgenommen, das Wiener Oberlandesgericht stimmte einen Monat später der Auslieferung zu. "Dass er, wie zahlreiche Unschuldige vor ihm, zu Tode gefoltert werden könnte, kümmert die heimischen Behörden einen Dreck", kritisiert Michael Genner von Asyl in Not. Noch dazu laufe A.s Asylverfahren noch.

Die deutsche Sektion von Amnesty hat vor wenigen Wochen eine "Urgent Action" für A. gestartet - eine Maßnahme, die nur ergriffen wird, wenn für die Menschenrechtsorganisation wirklich Feuer am Dach ist. In der "Urgent Action" (Nummer 002/2002) ruft Amnesty dazu auf, bei der Österreichischen Bundesregierung und bei Bundespräsident Thomas Klestil gegen A.s Auslieferung zu protestieren.


(DER STANDARD, Printausgabe, 25.3.2002)
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