45 Prozent wollen FPÖ nicht mehr in der Regierung

25. März 2002, 19:09
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Laut STANDARD-Umfrage sollen eher die Grünen ans Ruder - Fischer: Auf Gusenbauer als SP-Kanzlerkandidat kann man "Gift nehmen"

Linz/Wien - Mehr als zwei Jahre nach dem Regierungseintritt der Freiheitlichen sagen 45 Prozent der Österreicher, dass sie die FPÖ nicht in der Regierung wollen. Die drei anderen Parteien würden als Regierungsparteien gewünscht ("unbedingt in der nächsten Regierung") oder zumindest toleriert ("egal"). Das geht aus einer Umfrage des market-Instituts für den STANDARD hervor.

Die ÖVP wird von 35 Prozent unbedingt als regierende Kraft gewünscht, die SPÖ von 34 Prozent - wobei der SPÖ eine etwas höhere Ablehnung entgegenschlägt als der derzeitigen Kanzlerpartei. Trösten kann sich die SPÖ damit, dass sie in allen Hochrechnungen der letzten Wochen bei 37 Prozent und damit weit vorne liegt. Was Gallup für News in der ersten Monatshälfte gemessen hat, entspricht auch im Wesentlichen der neuen market-Hochrechnung: 37 Prozent für die SPÖ, 29 für die ÖVP - die FPÖ liegt mit 20 Prozent deutlich zurück, die Grünen kämen auf elf Prozent.

Allerdings: Die Grünen polarisieren längst nicht so wie die FPÖ. Immerhin 27 Prozent sehen sie als wünschenswerte Regierungspartei - die Ablehnung beträgt 31 Prozent; sie wird in hohem Maß von älteren, nicht (mehr) berufstätigen Befragten getragen.

Nationalratspräsident Heinz Fischer sagte in der TV-"Pressestunde", dass er für seine SPÖ auf drei Optionen nach der Wahl hoffe: auf mögliche Koalitionen mit der ÖVP und den Grünen - sollte das nicht klappen, bleibe die Oppositionsrolle. Koalitionen mit einer FPÖ "ohne Haider" sieht Fischer als wenig wahrscheinlich an, weil er ja nicht annehme, dass die FPÖ das "einfache Parteimitglied" ausschließe. Bei der Nationalratswahl werde Alfred Gusenbauer Spitzenkandidat sein, "darauf können Sie Gift nehmen".

(DER STANDARD, Printausgabe, 25.3.2002)
Conrad Seidl
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