Indizien für geheime Allianz Arafat-Iran

24. März 2002, 20:10
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Geld und Waffenlieferungen an Palästinenser vereinbart

Washington/Jerusalem/Teheran - US-amerikanische und israelische Geheimdienstoffiziere sind zu dem Schluss gelangt, dass Palästinenserpräsident Yassir Arafat ein geheimes Bündnis mit Iran geschlossen hat. Die Allianz soll bei einem Treffen zwischen Arafat-Vertrauten und iranischen Regierungsvertretern in Moskau im Mai 2001 vereinbart worden sein und umfasst die Lieferung schwerer Waffen sowie Zahlungen an extremistische Palästinensergruppen in Höhe von Millionen von Dollar. Das berichtete die New York Times am Sonntag.

Das Treffen in Moskau soll stattgefunden haben, während Arafat dem russischen Präsidenten Wladimir Putin einen Besuch abstattete, erklärten demnach israelische Geheimdienstoffiziere, die allerdings keine weiteren Angaben über die Herkunft ihrer Informationen machten.


"Kein Gaunerstück"

Die Frage nach der Rolle Teherans bei der Unterstützung palästinensischer Extremisten war aufgetaucht, als die israelische Marine vergangenen Januar die "Karine A" abfing, ein Schiff mit rund 50 Tonnen Waffen und Munition aus dem Iran. Hohe Angehörige der Palästinensischen Autonomiebehörde sollen damals in die Waffenlieferung verstrickt gewesen sein. "Es gibt eine Menge Beweise, die zeigen, dass das kein Gaunerstück war", zitierte die New York Times nun einen hohen Vertreter des State Departments. Arafat sei sich der Begegnung zwischen seinen Vertrauten - Fuad Shobaki, Finanzchef der PLO, und Fathi al-Razem, Vizekommandeur der Marinepolizei - und den iranischen Regierungsvertretern in Moskau "voll bewusst" gewesen; seine Aufmerksamkeit für alle Finanzfragen der Autonomiebehörde sei bekannt.

Zu den neuen Indizien für eine Allianz zwischen Arafat und Iran zählen die Operationen des führenden Al-Qa'ida-Funktionärs Abu Musaab Zarqawi. Der Al-Qa'ida-Mann erhielt nach Beginn des Afghanistankriegs angeblich Unterschlupf in Iran und soll vergangenen Februar drei mutmaßliche Terroristen - einen Jordanier und zwei Palästinenser - nach Israel geschickt haben. Das Kommando wurde jedoch beim Grenzübertritt vom Iran in die Türkei abgefangen. Nach türkischen Angaben hatten die Männer gefälschte Pässe und Pläne für Bomben bei sich und sollten Ziele in Tel Aviv angreifen.

Als weiteres Anzeichen für die Geheimallianz gilt die Hilfe der im Südlibanon operierenden Hisbollah, die wiederum vom Iran finanziert wird, für radikale Palästinensergruppen. Nach israelischen und US-Angaben soll Iran den Hisbollah-Aktivisten Imad Mugniyah für diese Aufgabe abgestellt haben. "Mugniyah erhielt Anweisungen aus Teheran, mit der Hamas zusammenzuarbeiten", zitierte die New York Times einen Vertreter der früheren Clinton-Regierung. Mitglieder von Hamas und Islamischer Djihad sollen dann militärische Ausbildung in Lagern der Hisbollah erhalten haben.


"Lügenfabrik"

Der palästinensische Informationsminister Yasir Abed Rabbo nannte die israelischen Behörden, die diese Angaben über eine Allianz zwischen Arafat und Iran machten, eine "Lügenfabrik"; Israel sei in Bedrängnis und schiebe Außenstehenden die Schuld zu. Irans Verteidigungsminister Ali Shamkhani wies alle Darstellungen über eine militärische Zusammenarbeit mit Arafat zurück. (red)

(DER STANDARD, Printausgabe, 25.3.2002)
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