Paris und Brüssel schweigen

24. März 2002, 19:42
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Angesichts von Silvio Berlusconis Wahlerfolg hatte Frankreichs Ministerpräsident Lionel Jospin noch zu "besonderer Wachsamkeit" aufgerufen. Doch seit damals beißen sich die Amtsträger in Paris beim Thema Italien auf die Zunge. Kein böses Wort über den Cavaliere oder über Vizepremier Gianfranco Fini dringt nach außen.

Auch aus der belgischen Hauptstadt kommen keine offenen Attacken. Von Sanktionsaufrufen keine Spur. Außenminister Louis Michel sagt unter Hinweis auf den in Nizza geänderten Artikel 7 des EU-Vertrags: "Wir haben eine neue Doktrin." Dabei hatte er während des italienischen Wahlkampfs noch angekündigt: "Meine Haltung wird dieselbe sein wie gegenüber Österreich." Nach dem Wahltag betonte er dann, er werde keine individuelle Initiative ergreifen. Später begründete er die Zurückhaltung unter anderem damit, dass der Rechtspopulist Umberto Bossi nie so viel Einfluss haben werde wie Jörg Haider in Österreich.

(DER STANDARD, Printausgabe, 25.3.2002)
STANDARD-Redakteur Jörg Wojahn aus Brüssel
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