Blair fand in Berlusconi einen Verbündeten

24. März 2002, 19:45
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Sie bilden ein seltsames Pärchen. Hier der Labour-Mann Tony Blair, dort der erzkonservative Multimillionär Silvio Berlusconi. Doch ausgerechnet unter zwei Regierungschefs, die so gegensätzlich scheinen, blühen die britisch-italienischen Beziehungen auf. Der Pragmatiker in Downing Street Nr. 10 hat in Berlusconi einen Zweckverbündeten entdeckt. Im Zusammenspiel mit dem Medienmogul will Blair, der im Februar nach Rom reiste, neue Akzente in der EU setzen.

Ihre Vorstellungen von Wirtschaftspolitik haben die beiden bereits präzisiert: flexiblerer Arbeitsmarkt, weniger Regulierung, stärkerer Wettbewerb, vor allem auf dem Energiesektor. Weder Blair noch Berlusconi wollten noch mehr nationalstaatliche Macht an Brüssel abgeben, führt der Oxford-Professor Timothy Garton Ash als gemeinsamen Nenner an. Und: "Beide sind proamerikanisch eingestellt." Britische Blätter schreiben bereits von einer "Achse im Embryostadium".

(DER STANDARD, Printausgabe, 25.3.2002)
STANDARD-Mitarbeiter Frank Herrmann aus London
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