"Ich freue mich, dass es endlich los geht"

26. März 2002, 16:37
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Der Teamchef platzt vor Tatendrang und fühlt sich in seinen Aussagen missinterpretiert

Bad Tatzmannsdorf - Der Countdown für einen schon x-fach erklärten Neustart der österreichischen Fußball-Nationalmannschaft begann zunächst unter recht unwirtlichen äußeren Bedingungen. Bad Tatzmannsdorf, wo Hans Krankl Sonntagmittag den Großteil (der Rest kam später) seines 18-Mann-Kaders für das freundschaftliche Länderspiel gegen die Slowakei am Mittwoch im Grazer Schwarzenegger-Stadion (20:30 Uhr) begrüßen durfte, empfing Herzog und Co mit Schneeschauern, hin und wieder unterbrochen von einigen Sonnenstrahlen.

"Sie müssen brennen"

Der Stimmung des neuen Teamchefs vermochte das Wetter aber nichts anzuhaben. "Ich freue mich, dass es endlich los geht, dass ich beim Training wieder auf dem Platz stehen darf. Das habe ich schon einige Zeit stark vermisst", sagte Hans Krankl, der - so scheint es - seiner an die Spieler gerichtete Forderung "sie müssen brennen" ebenfalls gerecht wird. Daher wiederholt der einstige Torjäger im Thermal- und Golfhotel Steigenberger, dass die Attribute "Herz und Leidenschaft" derzeit weit mehr als das Spielerische zählen. "Wenn die Spieler das mitbringen, was ich erwarte, dann können wir mit den anderen mithalten", so der Teamchef.

Botschaft missinterpretiert

In diesem Zusammenhang wollte Krankl seine jüngsten Aussagen "wir haben überhaupt keinen Level" nur als Botschaft, die vielfach missverstanden worden sei, gesagt haben. Als Botschaft, dass Österreichs Fußball derzeit in Europa - obwohl nicht gerechtfertigt - überhaupt keinen Respekt genießt. Deshalb auch seine mehr als Gag aufgenommene venezianische Erzählung, als er dort nicht als Hans Krankl ("persönlich hat mich das nicht gekränkt"), sondern als ein Vertreter von Fußball-Österreich recht geringschätzig behandelt worden war. "Und das von Fußball-Venedig", hatte er empört gemeint.

Respektsuche

Daher müssen unbedingt wieder Resultate her, die Österreichs Fußball international wieder jenen Respekt verschaffen, den er nicht nur zu seiner Zeit, sondern noch vor wenigen Jahren gehabt hatte. "Denn verlieren wir, sind wir bei allen die Schlechtesten. Sage ich es, dann sagen einige das ist ein guter Schwank oder Taktik", klagt der Missverstandene. Zunächst heißt es aber, in den drei Tagen bis zum Spiel, regenerieren, Kraft tanken, aktive Erholung zu betreiben und vor allem mit den Akteuren viele Gespräche zu führen. "Einige kenne ich noch überhaupt nicht, andere habe ich schon gehabt", sagt Krankl, der die Hoffnung hat, "dass meine Vorstellungen in die Köpfe hineinkommen".

Dreier- oder Viererkette?

Vor allem die Raumaufteilung (im Raum spielen) hat es ihm angetan, aber technisch-taktische Dinge und Änderungen zur bisherigen Taktik werde er erst seinen Spielern nahebringen. Einen klassischen Libero hätte in Österreich keine Bundesligamannschaft mehr, hinten werde mit einer Dreier- oder Viererkette operiert, Ähnliches schwebt ihm auch für die Nationalelf vor.

Torjägerproblem

Natürlich ist weiterhin die von manchen so bezeichnete Stürmerkrise ein Thema. "Von mir will ich nicht mehr reden, das liegt schon zu weit zurück, aber einen wie den Toni Polster gibt es auch nicht mehr. Das ist schade, aber die sind auch in Europa eine Rarität. Heute spielen die Sturmspitzen aber eben anders und wer könnte behaupten, dass Brunmayr kein Torjäger ist, wenn er 23 Treffer geschossen hat. Er ist nur ein anderer Typ", meinte der Teamchef. Die Aufgaben wären eben aufgeteilt und das Torschießen auch, wie die vielen torgefährlichen Mittelfeldspieler - Musterbeispiel Zidane - beweisen.

Stärken des Gegners Slowakei

Von den Slowaken glaubt Hans Krankl schon alles zu wissen. Sein Cotrainer Slavko Kovacic hätte sich verlässliche Informationen aus der Slowakei verschafft. "Die Abwehr ist gegenüber dem 0:2 gegen Schweden zwar verändert, aber die meisten haben wir auf Video gesehen. Wir werden unsere Mannschaft auf sie einstellen, aber uns nicht nach ihnen richten", legt sich der Teamchef fest, der dem Gegner fünf Legionäre bescheinigt, "die bei viel besseren Klubs als unsere spielen".

Geheimnis Aufstellung

Auch wenn Hans Krankl die wahrscheinliche Aufstellung der Slowaken schon zu wissen glaubt, seine will er erst eine Stunde vor Matchbeginn bekannt geben. "Bis dahin ist sie mein Geheimnis", sagte er. Das will er aber nicht nur in seinem ersten Länderspiel, das vor allem auch als Standortbestimmung gilt, so halten, sondern auch in Zukunft. Seine Vorgänger waren diesbezüglich aber meist auch nicht mitteilsamer. (APA)

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