Hisbollah-Führer verurteilt saudiarabische Nahost-Initiative

24. März 2002, 16:22
posten

Arafat hat angeblich Allianz mit dem Iran geschmiedet

Beirut/New York - Der Führer der pro-iranischen libanesischen Schiiten-Organisation Hisbollah, Scheich Hassan Nasrallah, hat Saudiarabien wegen seiner jüngsten Nahost-Friedensinitiative kritisiert. Drei Tage vor Beginn des Gipfeltreffens der Arabischen Liga in Beirut sagte Nasrallah am Sonntag in der libanesischen Hauptstadt: "Kein arabischer Führer oder Gipfel hat das Recht, ein Stück palästinensischen Landes aufzugeben." Sollten sich die Vertreter der 22 Mitgliedstaaten der Liga bei ihrem Gipfel auf eine Anerkennung Israels im Rahmen einer arabischen Friedensinitiative einigen, so wäre dies "eine Schande".

Nasrallah sprach vor Tausenden von Anhängern, die sich anlässlich des schiitischen Ashoura-Fest in den südlichen Vororten der libanesischen Hauptstadt versammelt hatten. Der Friedensplan des saudiarabischen Kronprinzen Abdullah sieht unter anderem eine "Normalisierung" der Beziehungen der arabischen Staaten zu Israel vor, falls sich die Israelis auf die Vorkriegsgrenzen von 1967 zurückziehen.

Allianz mit dem Iran?

Der palästinensische Präsident Yasser Arafat hat nach amerikanischen Medienberichten eine "Allianz" mit dem Iran geschmiedet, die Israel sehr beunruhige. Die Palästinenser erhielten damit von Teheran Waffen und finanzielle Unterstützung in Millionenhöhe, berichtete die "New York Times" am Sonntag. Das Bündnis sei während Arafats Treffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin im vergangenen Mai bei geheimen Gesprächen zwischen palästinensischen und iranischen Vertretern geschlossen worden, schrieb die Zeitung unter Berufung auf Informationen israelischer Beamter. Die Beziehung sei offenkundig geworden, als das israelische Militär Anfang des Jahres ein Schiff aufbrachte, auf dem tonnenweise Waffen für die Palästinenser waren. Die Waffen seien von Teheran geliefert worden. Dies werde inzwischen als Teil eines größeren Allianz gesehen, schrieb das Blatt.

Die Hisbollah hatte Arafat beschuldigt, sie in die so genannte Waffenschiff-Affäre hineingezogen zu haben. Arafat mache dies ausschließlich mit der Absicht, dem israelischen Premier Ariel "Sharon und der US-Regierung zu gefallen", hieß es in einem Hisbollah-Kommunique. Arafat hatte in einem Interview, das die Zeitung "Al Ittihad" (Vereinigte Arabische Emirate) veröffentlichte, gesagt, das von den Israelis im Roten Meer aufgebrachte Waffentransportschiff "Karine-A" gehöre in Wirklichkeit der Hisbollah, die es dem irakischen Besitzer um 400.000 US-Dollar abgekauft habe. Die Zeitung "Al Hayat" hatte gemeldet, Arafat habe in einem Brief an US-Präsident George W. Bush die Verantwortung für den Waffentransport auf der "Karine-A" übernommen. In dem Brief habe Arafat nicht nur die "persönliche Verantwortung" für die Waffenlieferung aus dem Iran übernommen, sondern auch erklärt, wie diese organisiert worden sei. Gegenüber "Al Ittihad" hat Arafat erklärt, die Waffen seien für die Hisbollah bestimmt gewesen.

Nachdem US-Präsident Bush den Iran zur "Achse des Bösen" gerechnet hat, verschärfte auch Israel seine Vorwürfe gegen Teheran. Außenminister Shimon Peres hat den Iran beschuldigt, den Libanon mit der Aufrüstung der Hisbollah zu einem "gefährlichen Pulverfass" zu machen. Nach Beiruter Presseberichten finanziert der Iran die Hisbollah mit zehn Millionen US-Dollar monatlich. Ende Dezember vorigen Jahres hatte der iranische Vize-Außenminister Mohammad Sadr dem libanesischen Staatspräsidenten Emile Lahoud eine Botschaft von Präsident Mohammad Khatami überbracht und erklärt, die Hisbollah bleibe "bis zum vollständigen Ende der israelischen Okkupation" bewaffnet. Er bezog sich damit auf die umstrittenen so genannten Shebaa-Ländereien im Dreiländereck Israel-Libanon-Syrien.

Share if you care.