Weg frei für den Bau des Airbus-Militärtransporters A400M

24. März 2002, 15:39
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EU-Partner stimmen deutschem Kompromiss zu - Größtes Rüstungsvorhaben, das jemals in Europa in Auftrag gegeben wurde

Saragossa/Paris - Der Weg für den Bau des Airbus-Militärtransporters A400M ist endgültig frei. Die europäischen Vertragspartner stimmten dem deutschen Finanzierungsmodell für das milliardenschwere Projekt auf einem informellen Treffen der EU-Verteidigungsminister am Wochenende in Saragossa zu. Sollte Berlin jedoch nicht die in Aussicht gestellten 73 Maschinen abnehmen, müsse Deutschland die anderen beteiligten Staaten wegen der ihnen damit entstehenden Mehrkosten entschädigen, unterstrichen spanische Delegationskreise nach Presseberichten vom Sonntag.

Die Folgen wären so schwerwiegend, dass die künftige Bundesregierung nicht umhin käme, alle 73 Maschinen zu beschaffen, zitierte die Zeitung "El Pais" spanische Quellen. "Ich freue mich, ankündigen zu können, dass das Vorhaben nun wie geplant fortgesetzt wird", sagte Spaniens Verteidigungsminister Federico Trillo am Samstag zum Abschluss des Treffens in der nordspanischen Stadt.

Monatelanger Streit

Nach monatelangem Streit hatte der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages am vergangenen Mittwoch zunächst 5,1 Milliarden Euro für das Projekt freigegeben. Damit können rund 40 Maschinen beschafft werden. Über die restlichen Gelder für die insgesamt 73 Flugzeuge, die Berlin für zusammen 9,5 Milliarden Euro erwerben will, soll erst mit dem Haushalt 2003 entschieden werden.

Der europäische Flugzeugbau- und Rüstungskonzern EADS, der aus der Fusion der Branchenführer in Deutschland, Frankreich und Spanien hervorging, teilte in Paris mit, nun warte man auf die Bestätigung der europäischen Rüstungsagentur OCCAR, dass der am 18. Dezember in Brüssel von den Partnerländern unterzeichnete Vertrag über die Anschaffung von 196 Maschinen in Kraft tritt. Der EADS-Konzern ist mit seiner Tochter Airbus Military Company (AMC) Hauptauftragnehmer für das A400M-Projekt. Mit einem Umfang von etwa 25 Milliarden Euro ist es das größte Rüstungsvorhaben, das jemals in Europa in Auftrag gegeben wurde.

Deutschland ist dabei der wichtigste Vertragspartner, gefolgt von Frankreich, das 50 Maschinen kaufen will, sowie Spanien (27), Großbritannien (25), der Türkei (10), Belgien (7), Portugal (3) und Luxemburg (1). Die A400M-Endmontage soll gemäß den Planungen von EADS und Airbus nach Sevilla vergeben werden, da die spanische EADS-Tochter (der frühere CASA-Konzern) seit langem mit an der Spitze des Militärflugzeugbaus in Europa steht.

Bei dem Treffen in der Militärakademie Saragossas schlug die spanische Ratspräsidentschaft zudem vor, die Grundlagen für eine gemeinsame EU-Rüstungspolitik zu schaffen. Der Bereich Luftfahrt sei dafür eine gute Ausgangsbasis, sagte Trillo. Die europäische Rüstungsindustrie müsse im Dienste der gemeinsamen Sicherheits- und Verteidigungspolitik stehen und nicht umgekehrt. (APA/dpa)

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    Der A440M als Computersimulation

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