Arbeit auf Holzmann-Baustellen soll weitergehen

24. März 2002, 21:42
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Betriebsrat: "Man schuldet jedem Arbeiter zwischen 5.000 und 8.000 Euro"

Frankfurt/Main - Die Arbeit auf den Baustellen des zahlungsunfähigen Baukonzerns Philipp Holzmann soll am Montag normal weitergehen. Das sagte der stellvertretende Gesamtbetriebsratsvorsitzende Willi Röll der "Bild am Sonntag". "Wir werden die Baustellen sichern, damit kein Material abgefahren wird und der Betrieb weiterlaufen kann. Wir geben den Kampf noch lange nicht auf."

Röll kritisierte, die Vorstände hätten im Jahr 2000 zwischen 500.000 und 800.000 Euro verdient. Dagegen hätten die Mitarbeiter freiwillig auf Sozialleistungen verzichtet und jede Woche bis zu fünf Stunden unbezahlte Mehrarbeit geleistet. IG BAU-Sprecher Michael Knoche sagte, Maurer, Poliere und Kranführer hätten rund 2,8 Millionen nicht bezahlte Überstunden geleistet. "Holzmann schuldet jedem dieser Arbeiter zwischen 5.000 und 8.000 Euro. Wir werden darum kämpfen, dass der Insolvenzverwalter den Mitarbeitern das Geld auszahlt."

Röll von Unternehmensleitung enttäuscht

Röll zeigte sich enttäuscht von der Unternehmensleitung: "Weder Vorstand noch Aufsichtsratschef Konrad Hinrichs hatten die Größe, vor die Belegschaft zu treten und ihre Fehler einzugestehen." Die Beschäftigten wollten wissen, warum noch im Dezember von einer erfolgreichen Sanierung die Rede gewesen sei und jetzt womöglich die Lichter ausgingen. Aufsichtsratschef Hinrichs habe sich am Dienstag in den Urlaub verabschiedet, sagte Röll. Einen Kontakt zu ihm habe es nicht gegeben.

Der Umzug in die neue Firmenzentrale lief nach Angaben des Betriebsrats mit teuren Planungspannen ab. Weil der Umbau des neuen Gebäudes nicht rechtzeitig fertig geworden sei, habe die Firmenleitung die längst verkauften alten Räume für eine Mill. Euro Mehrkosten noch länger nutzen müssen. (APA)

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