Hortikulturelle Kunst in Sisis Refugium

23. März 2002, 23:51
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Die für Kaiserin Elisabeth errichtete Hermesvilla beherbergt derzeit eine vier Jahrhunderte umspannende Ausstellung über Garten-Kunst - in Bildern und Worten.

"Es ist ganz gleich, ob ein Garten klein oder groß ist. Was die Möglichkeiten seiner Schönheit betrifft, so ist seine Ausdehnung so gleichgültig, wie es gleichgültig ist, ob ein Bild groß oder klein, ob ein Gedicht zehn oder hundert Zeilen lang ist. Die Möglichkeiten der Schönheit, die sich in einem Raum von fünfzehn Schritt im Geviert, umgeben von vier Mauern, entfalten können, sind einfach unermeßbar."
Hugo von Hofmannsthal, Gärten (1906)

Gerade in einer Zeit, in der Grün und Natur selten geworden sind, werden Gärten hoch geschätzt - sollte man meinen. Doch weit gefehlt! Die Erkenntnis, dass ein Garten mehr ist als eine Alibigrünfläche zwischen Betonwohnsilos, sickert vielfach erst in das Bewusstsein der Großstadtmenschen; von einer Gartenkultur, wie sie vor allem in England, aber auch in Frankreich, Italien und sogar Deutschland gepflegt wird, kann hierzulande - leider - nicht die Rede sein. Noch nicht, meinen Optimisten, denn der Trend der vergangenen Jahre berechtigt zu einer gewissen Hoffnung: Gärten sind "in", was Umsatzzahlen einschlägiger Unternehmen ebenso anschaulich beweisen wie Tourismusstatistiken.

Dieser Entwicklung Rechnung tragend, greift nun auch das offizielle Österreich das Thema auf und zeigt in der Hermesvilla im Lainzer Tiergarten "Garten-Kunst. Bilder und Texte von Gärten und Parks" als 284. Sonderausstellung des Historischen Museums der Stadt Wien.

Anhand von rund 300 Exponaten - Gemälden, Grafiken und Kunstgewerbeobjekten - und knapp 50 literarischen Textausschnitten wird die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Thema Garten im Zeitraum von 1600 bis heute unter die Lupe genommen. Zwölf Themenkreise, z. B. der Garten als Ort der Wissenschaft oder Arbeit im Garten, beleuchten die unterschiedliche Bedeutung, die Gärten in den vergangenen vier Jahrhunderten besaßen. Traditionelle Motive wie das Paradies oder der "hortus conclusus" fehlen dabei ebenso wenig wie topografische Bestandsaufnahmen.

Parallel dazu kann die historische Entwicklung der Gärten in Mitteleuropa nachvollzogen werden: vom Renaissancegarten über die barocke Gartenlust, den englischen Landschafts- und den biedermeierlichen Hausgarten bis hin zu den sozialen Grünanlagen des 20. Jahrhunderts - facettiert in Bild und Wort:

Vom Sprengen des Gartens
"O Sprengen des Gartens, das Grün zu ermutigen! / Wässern der durstigen Bäume! Gib mehr als genug und / Vergiss nicht das Strauchwerk, auch / Das beerenlose nicht, das ermattete / Geizige. Und übersieh mir nicht / Zwischen den Blumen das Unkraut, das auch / Durst hat. Noch gieße nur / Den frischen Rasen oder den versengten nur / Auch den nackten Boden erfrische du."
Bertold Brecht (1943)

(DER STANDARD, Printausgabe vom 23./24.3.2002)

Von
Marie-Therese Gudenus

Garten-Kunst

Hermesvilla
Lainzer Tiergarten
1130 Wien
21.3.-22.9.
Di-So & Fei 9-16.30
(ab 1.4.: 10-18)
Tel. (01)804 13 24
www.museum-vienna.at
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