Finanzspritze der Banken soll Kirch-Gruppe retten

24. März 2002, 17:51
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Konzern soll etwa 800 Millionen Euro bekommen - Kirch muss aber möglicherweise sein Kerngeschäft abgeben

Die hoch verschuldete Kirch-Gruppe kann auf Rettung hoffen. Wie am Wochenende in Finanzkreisen bekannt wurde, wollen die Gläubigerbanken dem Konzern mit einer Finanzspritze von mindestens 800 Mill. Euro über die nächsten Monate helfen. Dem Vernehmen nach denken die HypoVereinsbank, die Commerzbank, die DZ Bank und Bayerische Landesbank zugleich über einen Einstieg in die KirchMedia nach. Das würde bedeuten, dass Kirch zumindest vorübergehend sein Kerngeschäft verlieren würde.

Den Deal über die Bühne bringen ...

In München sollte am Sonntag bis in die Nacht hinein verhandelt werden, um den Deal über die Bühne zu bringen. Zu dem Kerngeschäft, dessen Übernahme die Banken planen, gehören die Fernsehsender sowie der Film- und Sportrechtehandel. Es sehe gut aus, hieß es. Details seien aber noch zu klären. Über die Gespräche wurde Stillschweigen bewahrt.

An den Verhandlungen sollten auch Vertreter der Alt-Gesellschafter wie Rupert Murdoch teilnehmen. Sie halten zusammen etwa 20 Prozent. In Finanzkreisen hieß es, es zeichne sich ab, dass die Altgesellschafter dem Konzept zustimmen werden. Bei einem Einstieg der Banken dürfte der Anteil der Familie Kirch auf unter 50 Prozent sinken. Kirch soll aber die Option offen gehalten werden, seine vorübergehend verloren gehenden Anteile in einigen Jahren wieder zu erwerben.

Nach Einschätzung aus Verhandlungskreisen wäre der Konzern mit dem neuen Kapital, das notfalls auch noch höher ausfallen müsse, für ein halbes Jahr gerettet. Der Kirch-Konzern hat nach eigenen Angaben 6,5 Mrd. Euro Schulden. Außerdem stehen Milliarden-Forderungen von ausstiegswilligen Investoren ins Haus. Voraussichtlich noch im April muss das Unternehmen dem Springer-Verlag 767 Mill. Euro für dessen Anteile an der Fernsehgruppe ProSieben zahlen. Springer hatte eine Verkaufsoption geltend gemacht.

Hilfestellung durch Banken

Nach Einschätzung des Rewe-Vorstandschefs Hans Reischl, dessen Unternehmen 5,71 Prozent an Kirch hält, werden die Banken dem Medienkonzern Hilfestellung leisten. "Das wird billiger sein, als eine Zerschlagung des Unternehmens in Kauf zu nehmen", sagte er der "Welt am Sonntag". Nach Angaben Reischls handelt es sich bei dem Kirch-Paket des Handelsunternehmens um eine reine Finanzbeteiligung. "Sicher ist aber, dass wir Kirch keinen Gefallen tun würden, wenn wir in dieser brenzligen Situation abspringen würden", sagte Reischl. Auf die Frage, ob Rewe Kirch auch finanziell helfen würde, sagte er: "Wir sind keine Bank. Also werden wir auch keine Kredite geben."

Zuversichtlich zeigte sich Reischl, dass der neue Premiere-Chef Georg Kofler das schwer defizitäre Pay-TV retten kann. "Wenn er ein Jahr Zeit bekommt, schafft er es", sagte der Rewe-Vorstand. Die Frage sei allerdings, ob die Banken dies genauso sähen. Die Chancen dafür lägen aber bei mehr als 50 Prozent. Allerdings seien auch die großen US-Filmstudios gefordert, etwas zur Sanierung der Kirch-Gruppe beizutragen. (APA)

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