Rewe will 2002 rund 150 Geschäfte schließen

23. März 2002, 16:40
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Lebensmittelkonzern strebt größere Rentabilität an

Frankfurt - Europas drittgrößte Einzelhandelsgruppe Rewe wird in diesem Jahr nach den Worten ihres Vorstandschefs Hans Reischl rund 150 ihrer 7300 Geschäfte schließen. Die Nummer zwei auf dem deutschen Markt müsse rentabler werden, begründete Reischl den Schritt in einem vorab veröffentlichten Interview mit der "Welt am Sonntag". "Deshalb lassen wir auch in diesem Jahr noch Mietverträge auslaufen und werden rund 150 unserer 7.300 Läden schließen." Bereits im Vorjahr seien 300 Geschäfte in Deutschland geschlossen worden.

"Die ersten beiden Monate lief das Geschäft schlecht wie im gesamten Einzelhandel", sagte Reischl zum Jahresstart 2002. Er glaube kaum, dass das Kölner Handelshaus im Lebensmittelbereich wie im Vorjahr um drei Prozent wachsen könne. "Das wird in diesem Jahr kaum möglich sein. Woher sollen die Menschen bei sinkendem Netto-Einkommen das Geld für den Konsum hernehmen?", so Reischl. Er unterstütze daher auch den Vorschlag von Einzelhandels-Verbandspräsident Hermann Franzen, rasch die Mehrwertsteuer zu senken, "um beim Verbraucher die derzeitige Konsumblockade zu brechen."

Touristik soll verselbstständigt werden

In der Rewe-Touristiksparte sei ebenso - wie bei den meisten Konkurrenten angesichts der schwierigen Branchensituation auch - kaum mit Wachstumsschüben zu rechnen. "Es gab weit weniger Winterbuchungen. Und der Sommer läuft zäh an", sagte Reischl. Der gute Ergebnisbeitrag dieser Sparte des Vorjahres werde daher wohl nicht wieder zu erreichen sein. Zwar solle an dem Ziel festgehalten werden, die Touristik zu verselbstständigen und an die Börse zu bringen. "Ob wir das vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklung der gesamten Branche wie angekündigt in den nächsten vier Jahren angehen, bezweifle ich allerdings zum jetzigen Zeitpunkt", so Reischl.

2001 hatte die Rewe-Gruppe einen Umsatzzuwachs von 8,4 Prozent auf 37,5 Milliarden Euro verbucht. Im deutschen Lebensmittelhandel stiegen die Erlöse angesichts der schwachen Inlandskonjunktur dabei nur um knapp drei Prozent auf 22,86 Milliarden Euro. Weitaus kräftiger war nach Rewe-Angaben dagegen das Umsatzplus im Ausland ausgefallen mit einem Zuwachs von rund 25 Prozent auf 7,65 Milliarden Euro. (APA/Reuters)

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