Krise in Japan - kommt YEN-Abwertung?

23. März 2002, 16:04
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Verlieren Japaner alles? Zuerst ihr Vermögen, dann den Job und zuletzt die Pension?

In einer Frage sind sich Analysten und Fondsmanager derzeit einig. Japan ist in einer ernsten Krise - und ein Investment wird nicht empfohlen. Die Börse steigt jedoch seit einigen Wochen. Der Nikkei Index stieg von 9.400 Punkten Anfang Februar auf knapp 12.000 Mitte März - aktuell bei 11.400 Punkten. Dieser Anstieg hat zwei Ursachen, einerseits wieder einmal optimistische Erwartungen zum Ende des Finanzjahres Ende März - d. h. das bange Hoffen auf eine Besserung der Wirtschaftslage - und andererseits liegen die Gründe vor allem in den unberechenbaren Liquiditätsströmen. Ausländische Investoren meiden den japanischen Aktienmarkt schon länger. Die Liquidität sinkt und führt zu volatileren Märkten. Ein Investment in japanischen Aktien bleibt auch in den nächsten Wochen sehr spekulativ.

Japan steht am Abgrund

Fundamental gesehen ist die japanische Wirtschaft schwerkrank. Das erkennen ausländische Beobachter schon länger. Trotzdem scheint sich die Situation zunehmends zu verschlechtern. Verlieren Japaner nach einem großen Teil ihrer Finanzvermögen durch massive Restrukturierungen auch noch ihre Jobs? Das ist schwer vorstellbar, weil zu schmerzhaft für die Bevölkerung. Die Regierung konnte bis jetzt die Reformerwartungen nicht erfüllen. Mehr spricht für eine Fortsetzung des Kurses.

Reformen dringend notwendig - 20 Jahre notwendig

"Die Politik finanziert die Bauwirtschaft - die Bauwirtschaft finanziert die Politik", so faßte ein bedeutender Ökonom die Situation der Regierung zusammen. Für umfassende Reformen ist eine Zeitperiode von 20 Jahren notwendig.

Japan im Abseits - weitere YEN-Abwertung?

Der Anteil des Außenhandels beträgt in Japan 10 Prozent der Wirtschaftsleistung. Die Konjunkturerholung in den USA und Europa wird Japan helfen - doch der Effekt wird nicht groß sein. Das Budgetdefizit beträgt 10 Prozent des GDP, die Staatsschulden inkl. nicht-fundierter Pensionsverpflichtungen betragen ca. 200 Prozent des GDP. Solch katastrophale Staatsfinanzen gefährden auch Pensionen. Aufgrund der schwachen Wirtschaftslage droht auch eine mittelfristige YEN-Abwertung - trotz kurzfristiger YEN-Rally. Damit würden jedoch ausländische Veranlagungen noch attraktiver werden - nicht unbedingt der Wunsch des japanischen Finanzministers.

Nur Wachstum kann Probleme lösen

Japan braucht Wachstum. Doch Japaner sparen in der unsicheren Zeit noch mehr. Inflation würde zwar den Schuldenberg des Staates und der Banken reduzieren, die Bevölkerung würde jedoch mit noch mehr Sparen und weniger Konsum antworten.

Internationale Ökonomen sehen mittelfristig wenig Aussicht auf eine Besserung der Situation und sogar die Möglichkeit der Einführung von Kapitalverkehrskontrollen. Damit würde der Großteil des Problems in Japan eingezäunt werden. Aber man darf nicht vergessen, daß Japan der wichtigste Investor in US-Staatsanleihen ist und japanische Sparer den Konsum der USA finanzieren.

Bank of Japan mit leichtem Optimismus zu Exporten

Den japanischen Bankern wird nachgesagt, bei Bedarf die Trickkiste zu öffnen. Käufe auf dem Aktienmarkt oder die Beschränkung von short-selling Aktivitäten zählen zu den Maßnahmen. Im vorauus geplant sind auch regelmäßige Durchhalteparolen. Am Freitag, 22. März veröffentlichte die Bank of Japan leicht verbesserte Erwartungen für die wirtschaftliche Entwicklung. Der Rückgang der Exporte kommt lt. Aussage der japanischen Notenbanker offensichtlich zum Stillstand. Eine Konjunkturerholung wird aber nicht in Aussicht gestellt.

Künstlicher Aktienboom als Ausweg

Ein möglicher Ausweg wäre nach Ansicht von Ökonomen ein künstlicher Boom am Aktienmarkt. Dieser würde zwar die fundamentale Wirtschaftslage vorerst nicht ändern - aber zumindest das Sentiment in der Bevölkerung verbessern - und dadurch evt. Wachstum und Konsum erzeugen können. Ist dieser Trick auch in der Trickkiste der Bank of Japan?

(www.e-fundresearch.at)

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