Philip Morris zu 150 Millionen Dollar-Strafe verurteilt

23. März 2002, 14:16
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Tabak-Konzern muss Erben einer an Lungenkrebs gestorbenen Frau "entschädigen"

Portland - Der US-Zigarettenkonzern Philip Morris ist am Freitag zur Zahlung von mehr als 150 Millionen Dollar (170 Mill. Euro) Schadenersatz verurteilt worden. Die Geschworenen des Gerichts in Portland im US-Bundesstaat Oregon befanden den größten US-Tabakkonzern für schuldig, Zigaretten mit geringerem Nikotingehalt als weniger gesundheitsgefährdend vermarktet zu haben.

Guter Glauben?

Geklagt hatte der Witwer einer an Lungenkrebs gestorbenen US-Raucherin, die im Glauben an "gesünderes Rauchen" auf "leichte" Zigaretten umgestiegen war. Philip Morris kündigte Berufung gegen das Urteil an.

Die Jury warf dem Tabakkonzern vor, er habe Rauchern mit dem Angebot nikotinarmer Zigaretten vorgaukeln wollen, eine Alternative zum Aufhören zu haben. Der Vertreter von Philip Morris dagegen sagte nach der Verhandlung, es gebe keine "sicheren Zigaretten", und dies habe Philip Morris in den USA auch niemals behauptet. Die geschädigte Frau sei sich über das Risiko des Rauchens völlig bewusst gewesen. Deshalb sei sie allein für ihre Entscheidung verantwortlich. Das Urteil sei "unvereinbar mit dem Gesetz und den Fakten des Falls".

Umstieg vergeblich

Die Verstorbene Michelle Schwarz war 1976 von ihrer gewohnten Marke "Benson & Hedges" auf die angeblich leichteren "Merit" umgestiegen, nachdem sie mehrfach versucht hatte, mit dem Rauchen aufzuhören. Von den leichteren Zigaretten versprach sich Schwarz der Klage zufolge, einfacher mit dem Laster brechen zu können. 1999 starb sie im Alter von 53 Jahren schließlich an Lungenkrebs. Sie hatte im Alter von 18 mit dem Rauchen angefangen. Der Witwer hatte ursprünglich auf eine Schadenersatzsumme von 300 Millionen Dollar geklagt.

Die Entscheidung stellt einen weiteren Schlag gegen den weltgrößten Hersteller von Tabakprodukten dar, gegen den bereits zahlreiche Prozesse laufen. In erster Instanz war Philip Morris im vergangenen Jahr in zwei Prozessen zu Schadenersatzsummen von insgesamt fast 130 Millionen Dollar verurteilt worden. Die Berufungsverfahren laufen. (APA)

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