Überfall auf Wiener Postamt geklärt

24. März 2002, 11:49
posten

Angestellte und Kunde heuerten zwei Räuber an

Wien - Der Überfall auf das Postamt 1227 in der Süßenbrunner Hauptstraße in Wien-Donaustadt gilt als geklärt. Im Wiener Sicherheitsbüro wurden am Sonntag drei Verdächtige einvernommen. Zwei davon hatten ursprünglich als "Opfer" der Räuber gegolten: eine 26 Jahre alte Angestellte des Amtes und jener Kunde, der beim Überfall durch eine Ladung Pfefferspray leicht verletzt worden ist.

Einer der Männer, die die Tat ausgeführt hatten, wurde ebenfalls festgenommen. Sein Komplize war zunächst untergetaucht, sagte Mag. Michael Braunsperger vom Sicherheitsbüro gegenüber der APA. Ein Teil der Beute, insgesamt 50.000 Euro, wurde sichergestellt.

Motiv: Schulden

Zwei Räuber waren Freitagnachmittag mit Wollhauben maskiert in das Postamt gekommen, bewaffnet mit einer Pistole und Pfefferspray. Die Angestellte Irene S. (26), laut Mag. Michael Braunsperger schon seit einigen Jahren in dem Amt beschäftigt, übergab den Männern Geld aus der Kassa und dem Tresor. Bevor die Täter das Weite suchten, sprühten sie die Angestellte und einen Kunden, den 23-jährigen Hedem M., mit Pfefferspray ein.

Die beiden leicht verletzten "Opfer" mussten im SMZ-Ost ambulant behandelt werden. In ihren Angaben zum Tathergang entdeckten die Ermittler des Sicherheitsbüros aber bald Ungereimtheiten. Der "Kunde", ein Bekannter von Irene S., gab dann zu: Die Frau habe mit ihm über die Möglichkeit eines Überfalls auf das Postamt gesprochen, worauf er sich auf die Suche nach zwei Räubern machte. Die fand er ihn seinem Bekanntenkreis: den 25 Jahre alten Murat D. und den ein Jahr jüngeren Ferudun A., beide wohnhaft in Wien. Als Motiv aller vier mutmaßlich Beteiligten nannte der 23-Jährige Schulden.

Nachdem die Postamtsangestellte und ihr Bekannter festgenommen worden waren, stellte sich einer der Räuber selbst. Ferudun A. hatte 34.000 Euro aus der Beute in seinem Besitz, der Rest der insgesamt etwa 50.000 Euro soll sich bei Murat D. befinden. Nach ihm wurde am Sonntag noch gefahndet.

Die drei Verdächtigen wurden am Vormittag im Sicherheitsbüro vernommen. Im Gegensatz zu Hedem M. streitet Irene S. eine Beteiligung an dem Überfall laut Braunsperger ab. Zwar gibt sie zu, mit dem Mann über dieses Thema gesprochen zu haben. Als die beiden Maskierten dann am Freitag in ihrem Amt standen, sei sie aber selbst überrascht gewesen. Sie habe das Gespräch damals "nicht so ernst genommen". (APA)

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