Bush und Toledo vereinbaren Antiterrorkampf

25. März 2002, 16:46
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Neue "Front" in Südamerika gegen Terrormilizen und Drogenhandel

Lima - Die USA und Peru wollen gemeinsam den in der Andenregion um sich greifenden Terror und den Drogenhandel bekämpfen. "Wir teilen die Auffassung, dass man den Terrorismus stoppen muss", sagte US-Präsident George Bush bei der gemeinsamen Pressekonferenz am Wochenende in Lima. Sein Amtskollege Alejandro Toledo versprach "null Toleranz" gegenüber Terroristen. Sie gingen zwar nicht direkt auf das regionale Sorgenkind Kolumbien ein, in dem die linksgerichtete Guerilla Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens (Farc), erstarkt durch Schutzgelder aus dem Drogenhandel, den Streitkräften einen erbitterten Kampf liefert. Doch vor dem Hintergrund des jüngsten Bombenanschlages vor der US-Botschaft in Lima zwei Tage vor dem Besuch Bushs war die Befürchtung allgegenwärtig, dass sich die Farc und ihre Methoden auch auf die Nachbarländer ausbreiten.


Einfluss der Farc

Toledo bestritt zwar, dass die Farc auch diesseits der peruanischen Grenze operierten, es gibt aber Hinweise darauf, dass die bis dato als zerschlagen geltende peruanische maoistische Guerillaorganisation Leuchtender Pfad zumindest die Strategie der Farc übernommen hat. Durch Schutzgelder aus dem Drogenhandel konnten sich die verbleibenden Zellen demzufolge neue Waffen kaufen. Toledo bezeichnete daher den Kampf gegen den Drogenhandel als "Frage der nationalen Sicherheit".

Der Leuchtende Pfad steht ebenso wie die Farc auf der Liste der Terrororganisationen der USA. Bush sagte Toledo seine Unterstützung im Kampf gegen Terror, Armut und Drogenhandel zu, und seine Frau Barbara versprach zusätzliche Hilfsgelder für die Armutsbekämpfung von 195 Millionen Dollar (221 Mio. Euro). Im Rahmen der Anden-Initiative erhalten die Länder der Region bereits 887 Millionen Euro für den Kampf gegen den Drogenhandel.

Beide Präsidenten bekräftigten ihr Interesse an einem Investitionsschutzabkommen. Die USA versprachen einen Schuldenerlass, für den Peru im Gegenzug Tropenwald schützen muss. Bush und Toledo kamen anschließend mit Vertretern der übrigen Andenländer (Kolumbien, Bolivien, Ecuador) zusammen. Venezuelas linkspopulistischer Präsident Hugo Chávez war nicht eingeladen.

(DER STANDARD, Printausgabe, 25.3.2002)
STANDARD-Korrespondentin Sandra Weiss
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