Königlich korrupte Umverteilung

22. März 2002, 21:52
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Königsfamilie des Südsee-Inselreichs Tonga unter Vorwurf der Korruption

Auckland - Als Paradies der Südsee gilt das Königreich Tonga seit jeher - und seit 1845 herrscht auf dem Archipel aus ungefähr 170 Inseln die Familie des Königs Taufa'ahau Tupou IV. Bisher waren die rund 100.000 Tongaer ihrem Monarchen treu ergeben. Nun aber regt sich Protest gegen den König und seine Familie.

Von den Bewohnern des Nachbarstaats Neuseeland wurden Tongas Könige schon lange belächelt. Auch heutzutage weist Tonga ein Bruttoinlandsprodukt von (umgerechnet) kaum mehr als 2500 Euro pro Einwohner aus. Jetzt hat die Regierung in Auckland, die den ärmeren Nachbarn finanziell unterstützt, konkrete Vorwürfe: "Es gibt klare Zeichen von Korruption in der tongaischen Regierung", sagt der stellvertretende Außenminister Matt Robson.

Alleinregierung

Jährlich fließen sechs Millionen neuseeländische Dollar (knapp drei Millionen Euro) an Tonga. Nach Robsons Ansicht profitieren davon ausschließlich die königliche Fa-milie und deren Freunde. Das Königreich, rund 1770 Kilometer nördlich von Neuseeland, wird praktisch vom 83-jährigen König allein regiert.

Erst vor kurzem hat König Tupou seinen jüngsten Sohn, den 43-jährigen Prinzen Ulukalala Lavaka'ata, zum Ministerpräsidenten auf Lebenszeit ernannt. Die beiden älteren Geschwister, Kronprinz Tupuoto'a und Prinzessin Pilolevu Tuita, machen vor allem durch Familienstreitigkeiten von sich reden. Allen wird vorgeworfen, Staatsbesitz vereinnahmt zu haben.

Die vorerst letzte Aktion, die Anlass zur Kritik gab: Am 1. Februar wurde das staatliche Elektrizitätsnetz ohne vorherige Parlamentsdebatte dem 53-jährigen Kronprinzen Tupuoto'a vermacht. Nun wird der Sammler von kleinen Spielzeugsoldaten jedes Mal ein bisserl reicher, wenn irgendwo im Inselstaat ein Licht angeht. Finanzielle Details möchte die Familie nicht bekannt geben.

Nach einem spektakulären Versicherungsbetrug in Höhe von umgerechnet 23 Millionen Euro erregte jüngst ein unter tongaischer Flagge fahrendes Schiff Aufsehen. Beladen mit offenbar für Palästinenser bestimmten iranischen Waffen wurde es vor der israelischen Küste abgefangen.

Tongas Regierung wollte die Affäre schnell beenden und versicherte der Welt, die USA im Kampf gegen den internationalen Terrorismus zu unterstützen.

Liebesbriefe

Vergangenes Jahr erlitt das Ansehen der königlichen Familie einen herben Schlag, als Liebesbriefe der Prinzessin an einen Nachtklubbesitzer veröffentlicht wurden. Und von Kronprinz Tupuoto'a hörte man, er trage sich mit dem Gedanken an eine Auswanderung nach Europa. Enge Vertraute betonten jedoch, zur Zeit tendiere er wieder dazu, König zu werden, und plane eifrig eine verschwenderische Krönungszeremonie.

Ob er die Unterstützung sei-nes Volks hätte, ist jedoch fraglich. Selbst kein zurückhaltender Mensch, machte sich der Kronprinz schon in mehreren Interviews über die Hemmungslosigkeit seiner Untertanen lustig. "Wenn man sie frei gewähren ließe, würden sie sogar in Fahrstühle pinkeln", sagte er in einem Gespräch mit der Zeitung Matangi Tonga.

Bei so viel Herablassung zeigte sich erstmals bei den Parlamentswahlen am 7. März im Volk ein Rückgang der Unterstützung für den König. Der Führer der Demokratisierungsbewegung, Akilisa Pohiva, feierte sich als Sieger, doch Auswirkungen auf Tongas Politik und damit die Vetternwirtschaft dürfte dies kaum haben.

Die Mehrzahl der 30 Sitze im Parlament wird traditionell unter den königstreuen Adeligen aufgeteilt, und die wichtigen Entscheidungen werden ohnehin von der auf Lebenszeit eingesetzten Regierung getroffen. (DER STANDARD, Printausgabe 23./24.03.2002)

Michael Field
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