Zimmer mit Frühstück um 1 Euro

22. März 2002, 20:38
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Graz: Österreichs erstes Hotel für Obdachlose eröffnet

Graz - Eine Übernachtung mit Frühstück um einen Euro - bietet in Graz seit 21. März das "Vinzitel", Österreichs erstes Hotel für wohnungslose InländerInnen. Die Grazer Vinzenzgemeinschaft - sie betreibt auch das Vinzidorf, das Vinzinest und den Vinzibus - hat zu diesem Zweck das ehemalige Kloster der Barmherzigen Schwestern in der Lilienthalgasse zu einem Haus umbauen lassen, das eine Mischung aus Obdachlosenheim und Hotel sein soll.

Bei der Eröffnungsfeier, der neben Landeshauptfrau Waltraud Klasnic (VP) auch Bürgermeister Alfred Stingl (SP) und der steirische Superintendent Hermann Miklas beiwohnten, hob der Grazer "Obdachlosen-Pfarrer" Wolfgang Pucher die Bedeutung des Hotels hervor: "Diese Einrichtung ist ein weiterer Meilenstein in der 120-jährigen Geschichte der Vinzenzgemeinschaft und es wäre schön, wenn es in Graz bald keinen Menschen mehr gibt, der kein Dach über dem Kopf hat."

Obdachlose ab 18 Jahren

Das Vinzitel wird laut Projektleiterin Petra Orvill jeder/m wohnungslosen ÖsterreicherIn ab 18 Jahren Unterschlupf gewähren, egal ob männlich oder weiblich: "In unser Hotel kann jeder kommen, nur nicht gewöhnliche Touristen. Wir haben sogar ein Zimmer, das familiengerecht eingerichtet ist." Für die Übernachtung stehen 13 Doppelzimmer mit modernen Sanitäranlagen zur Verfügung, eine zeitliche Limitierung der Aufenthaltsdauer im Vinzitel ist laut dem Obmann der Vinzenzgemeinde, August Suppanz, nicht vorgesehen. Ein Obdachloser Grazer zeigt sich angesichts des Vinzitel erfreut: "Was mir hier geboten wird ist wie ein schöner Traum, der Pfarrer Pucher soll noch hundertzwanzig Jahre leben."

Das von einem großen Park umgebene Gebäude aus dem 19. Jahrhundert wurde hauptsächlich mit Geldern aus der Wohnbauförderung und mit Spenden revitalisiert, die Gesamtkosten belaufen sich auf rund 730.000 Euro. (ek/DER STANDARD, Printausgabe 23./24.03.2002)

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