Danke, Hohes Haus!

24. März 2002, 19:26
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Seit der Mann aus Kärnten mit dem spleenigen Reisetrieb das Info-Taferl erfunden hat, ist nicht viel weitergegangen ... - 23./24. März 2002

Seit der Mann aus Kärnten mit dem spleenigen Reisetrieb das Info-Taferl erfunden hat, ist nicht viel weitergegangen - auf dem Gebiet der simplen, vermittelten TV-Botschaft. Da sind alle Parteien konservativ; unlängst nur Taferln vor Rednerpulten von ÖVP ("Verantwortung für Österreich") und Grünen ("Sozialstaat statt Abfangjäger"), und das erstaunt.

Sicher hat sich ja das Phänomen des Zappens auch im Hohn Haus herumgesprochen, woraus man schließt, dass nicht mehr als zehn Sekunden bleiben, um Messages rüberzubringen. Mag sein, dass man auch meint, dem Bürger seien ganze gesprochene Sätze nicht mehr zumutbar - Motto: "Ihr seid zwar alle mündige Bürger, aber man weiß ja nie." Und natürlich kann es sein, dass man die eigene Wortgewalt nicht sehr hoch einschätzt, so man sie an den etwas geschliffeneren Auseinandersetzungen im deutschen Bundestag misst. Also lieber Taferln.

Deshalb ist es den Volksvertretern hoch anzurechnen, dass sie nicht innovativ wurden, indem sie gleich vom Arbeitsplatz fernbleiben und statt dessen einfach Taferln schicken. Danke, dass es kein Taferlparlament gibt! Ein besonderer Dank schließlich dafür, dass man das Taferl nicht auch zu privaten TV-Zwecken nutzt. Sätze wie "Vergiss nicht einzukaufen!", oder "Komme später, sorry!" sind uns bisher erspart geblieben.

Lobenswert auch, dass man der Verlockung nicht erlegen ist, eine neue Kurz-sprache ("Ich Misstrauen, weil du Abfangjäger!") zu erfinden. Kurzum: Es lebe das Hohe Haus! (tos/DER STANDARD; Print-Ausgabe, 23./24. März 2002)

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