Die "Post-11.-9."- Passagiere und das neue Gefühl des Fliegens

24. März 2002, 19:00
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Stress und Ängste rund um Flugreisen sind deutlich gestiegen

Washington - In den USA ist der Flugstress nach den Terroranschlägen vom 11. September um ein Drittel gestiegen. Eine erste Umfrage der University of Washington bei 1.900 Inlandsreisenden und internationalen Fluggästen hat gezeigt, dass der Flugstress zwischen Mai 2001 und Januar/Februar 2002 von 60 Prozent auf 81 Prozent angestiegen ist.

"Die Stresssituationen und Ängste sind verschiedener Natur", erklärte Jonathan Bricker von der University of Washington, der seine Ergebnisse beim Treffen der Anxiety Disorders Association of America in Austin/Texas präsentiert. Frauen reagieren laut Bricker geringfügig ängstlicher als Männer. Von den Frauen, die nach dem 11. September eine Maschine betraten, berichteten 84 Prozent über Stresssituationen im Flugzeug, dem standen 78 Prozent der Männer gegenüber. Vor dem Attentat gab es keinen Unterschied zwischen den Geschlechtern. "31 Prozent der Frauen, die vor dem 11. September noch keine Anzeichen einer Flugangst hatten, berichten nun von einer gewissen Besorgnis im Flieger. Der Prozentsatz ist doppelt so hoch wie bei Männern", erklärte Bricker. Würde man in der Umfrage auch Nicht-Flieger mit einbeziehen, wäre der Prozentsatz der Personen mit Flugangst sicherlich noch größer, vermutet der Forscher.

"Entspanntheits-Grad"

Laut Umfrage sind Fluggäste nach dem 11. September weniger entspannt, wenn die Maschine Verspätung hat. Der "Entspanntheits-Grad" ist von 71 Prozent auf 42 Prozent gefallen. Als erfreulich vermerkt Bricker die Tatsache, dass "Post-11. September"-Reisende eine positivere Einstellung gegenüber anderen Passagieren haben. Dies betrifft vor allem Babys und Kleinkinder. Die Beschwerden sind von 36 Prozent auf 26 Prozent gesunken.

Am meisten stressen Flugreisende so genannte "hurry up and wait problems"-Situationen und Schwierigkeiten die Sicherheit betreffend. "Die größten Ängste entstehen dann, wenn Fluggäste früher am Airport erscheinen oder auf die Maschine warten müssen", so Bricker. Als mühsam betrachteten die Befragten aufdringliche und inkonsistente Durchsuchungen. Weniger als zwei Prozent geben an, dass ihre größte Sorge einem erneuten Terroranschlag gilt. So genannte "Post-11.-September"-Passagiere konzentrieren sich auf die persönliche Sicherheit und beschweren sich über lange Warteschlangen sowie langwierige Sicherheitsmaßnahmen, während sich Fluggäste vor dem 11. September eher um das Service und den Komfort Sorgen machten. "Somit haben die Ereignisse des 11. Septembers eine Verlagerung der häufigsten Beschwerden mit sich gebracht, weg von der Aufregung wegen gecanzelter Flüge hin zu zur Beschäftigung mit der eigenen Sicherheit, begleitet vom Verdruss durch die angestiegenen Sicherheitsvorkehrungen", resümiert Bricker. (pte)

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