Holzmann-Pleite: Nichts gelernt - Claudia Ruff

22. März 2002, 19:15
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Bei der Pleite des deutschen Baukonzerns Philipp Holzmann geht es nicht um den Verlust von über 20.000 Jobs. Denn der überwiegende Teil der Mitarbeiter wird ganz sicher weiterbeschäftigt, ganz einfach aus dem Grund, weil die Baustellen eben von anderen Firmen fertig gestellt werden. Und weil keine Baufirma der Welt Bauarbeiter in Reserve hält, werden die Holzmann-Mitarbeiter auch künftig gebraucht werden, abgesehen von einigen Führungskräften, die sich wohl anderweitig umschauen müssen. Das war bei der Maculan-Pleite so und wird bei Holzmann nicht anders sein. Wer tatsächlich betroffen ist, das sind die Lieferanten. Denn unter ihnen wird die Holzmann-Pleite einige Opfer fordern.

Das wirklich Fatale an der Holzmann-Insolvenz ist, dass die Banken bereits 1999, geblendet von der Zusicherung staatlicher Bürgschaften durch Bundeskanzler Gerhard Schröder, dem damals schon maroden Baukonzern neuerlich gutes Geld nachwarfen. Gepaart mit der Zusicherung der Gewerkschaften, auf Teile des Lohns zu verzichten, konnte Holzmann weiter zu Dumpingpreisen Aufträge an Land ziehen, die zwar nie und nimmer kostendeckend waren, aber einige profitable Baufirmen an den Rand des Ruins führten. Den Banken aber konnte Holzmann dann voller Stolz scheinbar volle Auftragsbücher zwecks Kreditprolongierung präsentieren. Die Aufträge sind zwar nichts wert, aber das wissen ja die Herren im Nadelstreif nicht. Denn die haben das Baugeschäft offensichtlich nicht gründlich genug studiert; das Mediengeschäft (siehe Kirch) offenbar auch nicht. Und so werden die gleichen Fehler immer wieder gemacht. Ganz abgesehen von der ewigen Interessenkollision, wenn jemand wie die Deutsche Bank bei Holzmann sowohl Aktionär als auch Hauptkreditgeber ist. (DER STANDARD, Printausgabe 23.3.2002)

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