Wendepunkt Monterrey

22. März 2002, 19:05
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ein Kommentar von Christoph Prantner

Da ist Fidel Castro, der institutionalisierte Revolutionär, der den westlichen Industriestaaten ihr "genozides" Wirtschaftssystem vorwirft. Dort ist George W. Bush, der Präsident auf Achse gegen das Böse, der mit zehn Milliarden Dollar die Armut als Ferment des Terrorismus neutralisieren will. Sind es diese unversöhnlichen Positionen, die von der UN-Entwicklungsfinanzierungskonferenz in Monterrey in Erinnerung bleiben? Oder wird es doch etwas Konkretes geben? Etwas, das tatsächlich mit Entwicklungspolitik zu tun hat und nicht bloß mit dem Wechseln weltpolitischem Kleingelds?

Ja und nein - das ist so zweideutig wie zutreffend. Das UNO-Entwicklungshilfeprogramm kann vermelden, dass die Hilfsgelder bis 2006 weltweit um satte 20 Prozent (von 52 Milliarden auf 64 Milliarden US-Dollar) steigen werden. Das ist zwar nicht so viel, wie UNO-Generalsekretär Kofi Annan gefordert hat. Wenn die Zusagen tatsächlich halten, ist es aber mehr, als die Industrieländer ohne diese Konferenz in den nächsten Jahren in die Entwicklungsländer überwiesen hätten.

Was indes die Entschuldung der ärmsten Länder und eine Steuer auf Devisenspekulationen betrifft, sind sich die Gesprächspartner in Monterrey zwar näher gekommen. Von einer Übereinkunft allerdings kann aber noch lange keine Rede sein. Eine Initiative der deutschen Ministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul zur Tobin-Steuer etwa stieß auf breite Ablehnung.

Der renommierte US-Ökonom Jeffrey Sachs glaubt dennoch, Monterrey werde als Wendepunkt in die Geschichte eingehen. Das scheint überzogen. Andererseits: Weltbank-Direktor Mike Moore spricht von der Armut als Zeitbombe - wenn die Industriestaaten das nicht nur im terroristischen Sinn verstehen, könnte Monterrey tatsächlich ein Wendepunkt gewesen sein. (DER STANDARD, Print- Ausgabe, 23/24. 3. 2002)

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