Gerangel auf hinteren Plätzen

22. März 2002, 19:26
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Japanische Regierung schnürt Hilfspaket für Chipindustrie

Wien - Unter dem Eindruck von massiven Problemen in der Branche hat die japanische Regierung diese Woche ein Investitionsprogramm von 270 Million Euro angekündigt, mit dem Toshiba, NEC, Hitachi, Mitsubishi und Fujitsu unter die Arme gegriffen werden soll.

Geplant ist, in einer gemeinsamen, staatlich geförderten Forschungsfabrik die Miniaturisierung von Chips voranzutreiben. Ziel ist, bei der Speicherherstellung wieder Tritt zu fassen und damit die Zukunft der japanischen Elektronikindustrie zu sichern. US-Halbleiterproduzenten wie Intel oder AMD hatten die zurückgehende Nachfrage leichter gemeistert als japanisch Hersteller.

Konsolidierungsphase

Weltweit ist die Chipindustrie derzeit in einer Konsolidierungsphase. Der Grund: Im letzten Jahr brachen die Absätze von Prozessoren und Speicherchips, so genannten DRAMs, um rund ein Drittel ein; gleichzeitig stehen enorme Investitionen für Entwicklungen von neuen Halbleitertypen, so genannten Systems-on-Chips, an. Insbesondere die Hersteller von Speicherchips kamen zuletzt in Bedrängnis, da diese zu Massenprodukten geworden sind, die von Auftragsherstellern in Billiglohnländern fabriziert werden.

Gleichzeitig ist in der Branche weltweit ein Übernahmekarussell in Gang, bei dem die größeren Anbieter ihre Schwächen im Produktportfolio durch Akquisitionen auszugleichen versuchen: Der bankrotte koreanische Speicherchiphersteller Hynix, nach Samsung zweitgrößter Halbleiterhersteller des Landes, wird vom US-Konkurrenten Micron übernommen. Siemens-Tochter Infineon hatte Interesse an Hynix gezeigt, hat sich aber Anfang des Monats die Speicherproduktionsteile des taiwanesischen Anbieters Winbond gesichert. Hitachi und Mitsubishi haben angekündigt, chipnahe Bereiche ihrer Konzerne zusammenzulegen. Hitachi hat für sein Speicherchipgeschäft mit NEC gebündelt.

Der Konsolidierungskurs ist nach Marktbeobachtern wie der SIA, der Semiconductor Industry Association, noch nicht zu Ende ist. Kleinere Hersteller würden den kontinulierlich hohen Entwicklungsaufwand nicht halten können. Kommende Chipgenerationen sollen mehr Funktionen haben als nur zu speichern. Außerdem müssen sie, wenn sie etwa bei mobilen Geräten eingesetzt werden sollen, noch kleiner und zugleich stromsparender sein. (ruz, DER STANDARD, Printausgabe 23.3.2002)

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    Hohe Entwicklungskosten im Halbleitergeschäft zwingen die kleineren Chiphersteller zu Allianzen, die die japanischen Speicherhersteller wieder erstarken lassen soll.

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