Über einen klassischen Assistenten

24. März 2002, 17:57
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Slavko Kovacic möchte Krankl und dem Team helfen

Wien - Slavko Kovacic wirkt ruhig, leise, zurückhaltend, verschlossen, besonnen, unauffällig. Also ist er das Gegenteil von Hans Krankl. Zumindest äußerlich. Da sich Gegensätze nicht unbedingt abstoßen müssen, sondern auch anziehen können, sollte das österreichische Fußballteam deshalb nicht zusätzlich leiden. Krankl hatte Kovacic angerufen. "Ich sagte natürlich ja, ohne zu zögern."

"Es hat sich so ergeben..."

Der 51-jährige Kroate ist immer schon ein klassischer Assistent gewesen, angestrebt hat er das freilich nicht. "Es hat sich so ergeben. Das ist kein Schicksal, wird sich auch ändern." Er stürmte einst bei Dynamo und dem FC Zagreb, trainiert hat ihn dort zum Beispiel Otto Baric. Als der später nach Salzburg ging, machte er Kovacic zum Assistenten. Holte ihn weg vom FC Puch, den er von 1984 bis 1990 betreut hat. Allerdings nicht als Co. Kovacic hat Baric in Salzburg überlebt. Als Co von Hermann Stessl. Als Co von Heribert Weber. Als Co von Hans Krankl. "Die Geschichte war immer die selbe. Alle haben sich gewünscht, dass ich bleibe." Dreimal wurde er mit Salzburg Meister, einmal stand er im Finale des UEFA-Cups. Als Co. Kovacic hält sich für absolut loyal. "Ich sage über keinen meiner Chefs etwas Schlechtes. Vielleicht werde ich deshalb geschätzt."

Die Brücke

Mit Krankl reiste er zur Fortuna Köln in die zweite Deutsche Liga, Krankl nahm den Hut, Kovacic blieb ein paar Monate. Als Cheftrainer. Die Fortuna stieg ab. Im Jahr 2000 übernahm er Bregenz, offiziell als Chef, inoffiziell mischte sich der damalige Sportdirektor Ove Flindt ein. Kovacic versuchte es in Budabest bei Vasas "Ein absoluter Chaosklub." Krankl hat angerufen.

"Ich habe nie das Gefühl gehabt, der zweite Mann zu sein. Intern bin ich gleichberechtigt, man diskutiert, die Chefs haben immer auf mich gehört. Nach außen hin sage ich wenig. Die Verantwortung trägt der erste Mann." Kovacic sieht sich "als Brücke zur Mannschaft. Wenn die Sonne stark scheint, schaue ich, dass ich mich nicht verbrenne. Man ist nie ein fertiger Trainer, muss sein Leben lang lernen." Da er gegenüber Krankl loyal ist und nicht nur deshalb sagt er: "Er hat Charisma, ist ein positiver Mensch, kann motivieren."

Vorbild Slowenien

Die Lage der österreichischen Nationalmannschaft betrachtet Kovacic als "nicht hoffnungslos. Wir müssen uns Slowenien zum Vorbild machen. Ein kleines Land, das zur WM fährt. Die Spieler müssen Energien freisetzen." Für Kovacic bringt der neue Job eine gravierende Umstellung. "Es fehlt der tägliche Fußball im Trainingsanzug."

Am Sonntag versammelt sich der Kader in Bad Tatzmanndorf, geht die Vorbereitung fürs Ländermatch am Mittwoch in Graz gegen die Slowakei an. Kovacic wird sich wohl in den schicksten Trainingsanzug schmeißen. "Dann habe ich endlich wieder diesen Stallgeruch in der Kabine. Die stinkenden Fußballschuhe. Das ist das Leben. Nicht nur als Co."

(DER STANDARD, PRINTAUSGABE 23./24.3. 2002)
Von Christian Hackl
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