Scheitern wegen "versteinerter Strukturen"

22. März 2002, 19:43
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Herwig van Staa, Tiroler ÖVP-Chef und Innsbrucks Bürgermeister, hat Mitleid mit dem scheidenden Wiener VP-Obmann. Mit ihm sprach Martina Salomon.

Standard: Wann wird in Tirol gewählt?

Van Staa: Ich denke im Mai oder Juni 2003, sofern sich die Parteien darauf einigen - also knapp ein Jahr vor dem offiziellen Termin.

STANDARD: Gibt es Signale, dass sich der amtierende Landeshauptmann rechtzeitig vor der Wahl zurückziehen wird?

Van Staa: Wendelin Weingartner muss selbst entscheiden, wann er geht. Je später der Wechsel erfolgt, desto schwieriger sind die Aussichten für die Partei. Dafür übernehme ich keine Verantwortung.

STANDARD: Ist es nicht ein Frust, so lange warten zu müssen?

Van Staa: Ich habe gewusst, dass die Situation nicht einfach ist. Schließlich bin ich gegen den ausdrücklichen Willen des Landeshauptmannes gewählt worden. Aber ich bin für meinen kräftigen Eigenwillen bekannt.

STANDARD: Es gibt aber noch einen weiteren "eigenwilligen" Herrn: Was halten Sie von einer möglichen Kandidatur des Tiroler Arbeiterkammerchefs Fritz Dinkhauser?

Van Staa: Entweder tritt der Tiroler ÖAAB geschlossen an. Da kann man über eine Listenverbindung reden. Aber das nehme ich nicht an. Eine Liste Dinkhauser wäre eine Liste wie jede andere auch - nur weiß ich nicht, gegen wen er sich wehren will.

STANDARD: Sie selbst sind seinerzeit in Innsbruck aber auch mit einer eigenen Liste angetreten und haben gewonnen.
Van Staa: Die Ausgangssituation war anders. Die Stadt war politisch und wirtschaftlich am Ende. Außerdem hätte ich mich als Parteiobmann zur Verfügung gestellt.

STANDARD: Was sagen Sie zur Ablöse des ÖVP-Chefs in Wien?

Van Staa: Görg und Marboe haben gute Stadtpolitik gemacht, aber Häupl konnte das für sich verbuchen. Es ist schwierig, bei versteinerten Parteistrukturen - ich meine die Bezirksorganisationen -, Modernität zu zeigen. In Innsbruck konnte das durch meine Liste überwunden werden. Das würde ich aber niemandem raten. Dazu braucht man Mitstreiter, die auch bereit sind, Finanzmittel einzusetzen. Die Bundespartei muss sich um Wien kümmern.

STANDARD: Wie stehen Sie zum Kauf der Abfangjäger?

Van Staa: Mein Wunsch wäre, dass wir in ein europäisches Sicherheitsnetz eingebunden wären, wo man Arbeitsteilungen herbeiführen könnte. Es ist falsch, Staatsoper oder Spitäler gegen den Abfangjägerkauf auszuspielen. In Österreich schwanken ja außerdem die Meinungsumfragen je nachdem, ob Katastrophen oder Kriege nah an unseren Grenzen stattfinden. Ich vermisse eine seriöse, staatsbewusste Diskussion über Sicherheitsfragen, jenseits des parteipolitischen Hickhacks. (DER STANDARD, Print-Ausgabe 23./24.3.2002)

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