RWE schluckt britischen Stromriesen

22. März 2002, 18:54
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Deutscher Versorgergigant kauft größten UK-Erzeuger Innogy für 8,4 Milliarden Euro

Essen/London - Der Essener Energieriese RWE setzt seine Einkaufstour bei Strom, Gas und Wasser in Europa fort. Rund eineinhalb Jahre nach dem Kauf des weltweit drittgrößten Wasserversorgers Thames Water (London) für 11,2 Mrd. Euro übernimmt RWE nun auch den größten britischen Stromerzeuger Innogy für insgesamt 8,4 Mrd. Euro. Damit werde RWE der zweitgrößte europäische Stromerzeuger, teilte das Unternehmen am Freitag in Essen mit.

8,4 Milliarden Euro Kaufpreis

Der Kaufpreis setzt sich aus dem Wert des Aktienpakets in Höhe von 5,0 Mrd. Euro sowie 3,4 Mrd. Euro Nettoschulden zusammen. Die Übernahme der Innogy Holding Plc soll bis zum Juni oder Juli abgeschlossen sein, sagte der Finanzvorstand der RWE AG, Klaus Sturany. Der Kauf solle sich bereits im nächsten Geschäftsjahr positiv auf das Konzernergebnis auswirken. Nach den vollzogenen oder noch laufenden Übernahmen von Thames Water, American Water Works, Transgas und Innogy stünden zur Zeit keine weiteren Großkäufe auf der Agenda, sagte Sturany weiter. RWE werde sich jetzt auf die Integration der erworbenen Unternehmen konzentrieren.

Der in Swindon (Westengland) ansäßige Konzern versorgt nach Angaben von RWE als Marktführer 4,7 Millionen Haushalte mit Strom. Bei Gas ist Innogy mit 1,9 Millionen Kunden die Nummer zwei hinter Centrica. Mit 7.000 Beschäftigten setzte der Versorger im ersten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres 1,6 Mrd. Pfund (2,6 Mrd. Euro) um und erwirtschaftete einen Gewinn vor Steuern von 84 Mill. Pfund. Innogy ging im Oktober aus der Abspaltung des nationalen Geschäfts des ehemaligen Staatsunternehmens National Power hervor.

20 Millionen Kunden

Nach Abschluss der Akquisition werde RWE insgesamt 20 Millionen Energiekunden (einschließlich der tschechischen Transgas) beliefern, teilte RWE weiter mit. Die Essener schließen damit zum Düsseldorfer Konkurrenten E.ON auf, der ebenfalls (einschließlich des britischen Stromkonzerns Powergen) 20 Millionen Kunden versorgt.

An den Aktienmärkten wurde das Geschäft verhalten aufgenommen. Die RWE-Aktie verlor bis zum Mittag 0,77 Prozent und sank auf 42,60 Euro. Nach Ansicht eines Händlers war die Übernahme bereits vorher im Preis enthalten. Ein Frankfurter Analyst sagte, dass der Preis im Rahmen dessen liege, was fair sei. Allerdings bestünde für RWE angesichts der Schulden von Innogy, die die Essener übernehmen, ein gewisses Risiko. (APA/dpa)

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