Tückisch: Gehirn verleitet zu Risiko-Steigerung

25. März 2002, 10:00
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Studie: Nach einem Verlust am Spieltisch fällt fast immer die unbewusste Entscheidung für ein höheres Risiko

Washington - Blitzschnelle, unbewusste Vorgänge im Gehirn verführen Spieler zu immer höheren Risiken. Das haben Psychologen der der US-Universität von Michigan in Ann Arbor jetzt nachgewiesen. Demnach braucht das Hirn nur eine viertel Sekunde, um ein Ergebnis am Spieltisch als Gewinn oder Verlust einzuordnen. Nur wenige Sekunden dauert die Wahl des nächsten Zuges. Das ist nach einem Verlust automatisch fast immer die Entscheidung für ein höheres Risiko, schreiben William Gehring und Adrian Willoughby im Fachmagazin "Science".

"Nach einem Verlust denkt das Gehirn, dass jetzt ein Gewinn fällig ist. Das führt dazu, dass wir nach einer schnellen Entscheidung, die sich als falsch herausstellt, zu einem größeren Risiko bereit sind als wenn die erste Wahl richtig gewesen wäre", erläutert Gehring. Das Hirn wäge die Ergebnisse ab und reagiere, "noch bevor wir uns überhaupt bewusst werden, was wir tun", sagte der Psychologe weiter. Das bedeute, dass das menschliche Gehirn in vielen Situationen übereilte Schlüsse ziehe und zu irrationalen Entscheidungen verleite.

Elektrische Hirnströme untersucht

Für ihre Studie untersuchten Gehring und Willoughby elektrische Hirnströme, die als "event-related brain potentials" oder ERPs (Reaktionsvermögen des Hirns auf bestimmte Ereignisse) bekannt sind. Sie maßen die Hirnströme ihrer Studienteilnehmer über Elektroden, während diese sich zwischen zwei Nummern entscheiden mussten, die einen mäßigen oder hohen Einsatz beim Spiel repräsentierten. Nur eine Sekunde nach der ersten Wahl signalisierte ihnen eine Farbe, ob sie gewonnen oder verloren hatten. Unmittelbar danach mussten sie den nächsten Einsatz bestimmen. Insgesamt gab es 768 blitzschnelle Entscheidungen zu treffen.

Die Analyse der ERPs ergab ein charakteristisches Muster von Hirnströmen, die von der Mitte der vorderen Hirnrinde ausging und nach etwa 265 Millisekunden den Höhepunkt erreichte. Außerdem zeigte sich, dass die Entscheidungen für den jeweils nächsten Einsatz von vorausgegangen Ergebnissen beeinflusst wurden. Nach einem Verlust setzten die Teilnehmer weitaus häufiger einen hohen Einsatz und zeigten mehr Aktivität in dem für die Entscheidung verantwortlichen Teil der vorderen Hirnrinde. (APA/dpa)

Vgl. Science, (Bd. 295, S.2279)
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