Jährlich sterben zwei Millionen Menschen an Tuberkulose

23. März 2002, 18:27
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In Österreich ist die Zahl der Neuerkrankungen zurückgegangen

Wien - Die Zahl der Tuberkulose-Neuerkrankungen und der Todesfälle durch die heimtückische Erkrankung ist im vergangenen Jahr in Österreich stark zurück gegangen. Doch Fachleute warnen anlässlich des Welt-Tuberkulose-Tages (WHO) am Sonntag (24. März) trotzdem. "Tuberkulose ist behandel-, heil- und vermeidbar - aber nur, wenn weltweit die Gesundheitsbehörden dafür Sorge tragen, dass die Länder der Dritten Welt jene Unterstützung erhalten, die sie in der Bekämpfung dieser Krankheit benötigen", erklärte der Vorsitzende der "Arbeitsgemeinschaft Tuberkulose" der Österreichischen Gesellschaft für Lungenerkrankungen und Tuberkulose, Dr. Kunrad Wolf.

Die gute Nachricht laut Dr. Jean-Paul Klein vom Gesundheitsministerium: "Die Zahl der Neuerkrankungen an Tuberkulose und die Zahl der Todesfälle ist im vergangenen Jahr stark zurück gegangen. So wurden nach den vorläufigen Zahlen 897 Fälle registriert. Ebenfalls nach vorläufigen Zahlen gab es 97 TB-Todesfälle." Im Jahr zuvor waren es mindestens 960 Erkrankungen und 152 Todesfälle gewesen. Klein: "Das ist insgesamt ein erstaunlicher Rückgang."

Damit setzte sich eine seit Jahren in Österreich beobachtete Entwicklung weiter fort. Seit dem Ende der Balkankriege wurde laut dem Experten Wolf wieder ein jährlicher Rückgang der Erkrankungsfälle um rund fünf Prozent in Österreich registriert.

Weltweit ist die Situation anders

Doch weltweit sieht die Situation anders aus. Wolf für die österreichischen TB-Spezialisten: "Jährlich sterben zwei Millionen Menschen an Tuberkulose, acht Millionen erkranken neu, Tendenz steigend." Die teilweise dramatische Situation vor allem in den GUS-Nachfolgestaaten sowie Afrika und Asien führt Wolf darauf zurück, dass vielfach bereits Mehrfachresistenzen gegen die wichtigsten Tuberkulosemedikamente bestehen. "Damit wird die Behandlung sehr schwierig", erklärte der Fachmann.

Ein weiteres Problem im Zusammenhang mit der Verbreitung von Tuberkulose betrifft die gleichzeitige Infektion mit dem Aids-Virus (HIV), die vor allem in Afrika südlich der Sahara, Südostasien und Südamerika bedrohliche Formen angenommen hat. Deshalb sei es auch - so Wolf - speziell wichtig, dass jede Form der Tuberkulose entsprechend behandelt wird. - Und zwar bereits vor Ort in den jeweiligen Ländern, wo sie quasi "entsteht". Nur so könne die Seuche effizient eingedämmt werden.

Anstrengungen nötig

Wolf: "Das bedingt natürlich entsprechende internationale Anstrengungen, auch der österreichischen Gesundheitsbehörden." - Wobei diese Unterstützung vielfältig sein kann: Von der Bereitstellung von medizinischem Know-how bis hin zur Lieferung von Medikamenten. Aber natürlich auch Maßnahmen, die den Ländern helfen, ihre Armut zu bekämpfen.

Die Zahlen aus Österreich könnten übrigens eine Beleg dafür sein, dass die vor einigen Jahren erfolgte Umstellung der TB-Vorsorge in Österreich mit einer Konzentration der Früherkennungsuntersuchungen auf speziell gefährdete Personengruppen wie sozial Benachteiligte, Zuwanderer und ältere Menschen, die noch vor dem Vorhandensein einer effektiven Therapie infiziert wurden (vor 1950) bereits einen Effekt hat. Als Krankheit der Armut sind von der Tuberkulose immer besonders soziale Randschichten, Immigranten und betagte Menschen häufiger betroffen. Von Land zu Land kann die Krankheit aber auch per "Pendler" wandern.

Die Symptome

Symptome einer beginnenden Lungentuberkulose bei Erwachsenen sind: Husten mit Auswurf, Fieber, Gewichtsverlust und Nachtschweiß. Bei Kindern ist die Erkrankung schwieriger zu erkennen: Hinweise sind Fieber, Appetitlosigkeit und Gedeihstörungen sowie vor allem die Erkrankung eines Verwandten bzw. einer Person im Umfeld des Kindes an Tuberkulose.

Um jedoch zielgerichtet und kosteneffizient eingreifen zu können und neue Infektionen zu verhindern bzw. TBC-Erkrankungen entsprechend therapieren zu können, "benötigen wir ein ausreichend dotiertes und gut funktionierendes Tuberkulosefürsorgenwesen", forderte Wolf, denn: "Modernste epidemiologische Werkzeuge und Daten sind Voraussetzung dafür." (APA)

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    Untersuchung eines Tuberkulose- Patienten in Peking

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