Sizilien: Zwei Mafia-Bosse zu lebenslanger Haft verurteilt

22. März 2002, 16:49
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20 Jahre nach Mord an Mafiajäger Dalla Chiesa

Palermo - Zwei prominente Mafia-Bosse, Antonino Madonia und Vincenzo Galatolo, sind am Freitag in Palermo wegen des Anschlags vom 3. September 1982 auf den Carabinieri-General Carlo Alberto Dalla Chiesa, seine Frau Emanuela und den Leibwächter Domenico Russo zu lebenslanger Haft verurteilt worden.

Haft auch für abtrünnige Mafiosi

Das Schwurgericht der sizilianischen Hauptstadt verdonnerte zudem die abtrünnigen Mafiosi Francesco Paolo Anzelmo und Calogero Ganci zu jeweils 14 Jahren Haft. Ihre Aussagen hatten Mitte der neunziger Jahren neue Ermittlungen über den Anschlag ermöglicht.

Drei Kommandomitgieder sind bereits tot

Das Schwurgericht verurteilte die fünf Mafiosi zur Zahlung einer Entschädigung in Höhe von 265.000 Euro an die Erben der drei Opfer. Ein weiterer Prozess ist derzeit gegen zwei weitere Mafia-Bosse, Raffaele Ganci und Giuseppe Lucchese, im Gange. Weitere drei Mitglieder des Kommandos, das auf General Dalla Chiesa geschossen hatte, sind seit einigen Jahren tot.

Dalla Chiesa hat Mafiageschehen in den achtziger Jahren durchleuchtet

Dalla Chiesa hatte unmittelbar nach seiner Ankunft in Palermo Anfang der achtziger Jahre die komplexen Beziehungen von Politik und Mafia durchleuchtet. Er hatte vor allem um die Vergabe öffentlicher Bauvorhaben auf Sizilien, um die Auseinandersetzungen zwischen den Mafia-Familien und um den Drogenhandel der Mafia-Clans ermittelt.

Mord an Dalla Chiesa sei ein politisch beauftragter Mord gewesen

Der Mord an Dalla Chiesa zählt zu den gewalttätigsten Attacken der Organisierten Kriminalität gegen den italienischen Staat. Der abtrünnige Mafia-Boss Tommaso Buscetta hatte öfter betont, dass der Mord an Dalla Chiesa direkt aus Rom bestellt und keine Idee der lokalen Mafia war. Der Anschlag auf den Carabinieri-General sei ein politisch beauftragter Mord gewesen, um seine brisanten Untersuchungen zu stoppen.(APA)

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