Margaret Thatcher erlitt Serie leichter Schlaganfälle

22. März 2002, 18:42
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Keine öffentlichen Auftritte mehr

London - Nach einer Serie kleinerer Schlaganfälle muss die frühere britische Premierministerin Margaret Thatcher auf öffentliche Auftritte in der Zukunft verzichten. Wie ihr Büro am Freitag mitteilte, hat Thatcher alle für die nächste Zeit geplanten Reden abgesagt. Die 76-jährige frühere Regierungschefin hatte bereits Dienstagabend eine Rede kurzfristig absagen müssen, nachdem die Ärzte ihr geraten hatten, sich zu schonen.

Wie Thatchers Büro weiter mitteilte, hat die konservative Politikerin in den vergangenen Monaten eine Reihe kleinerer Schlaganfälle erlitten. Nach ausgiebigen Untersuchungen hätten ihre Ärzte festgestellt, dass weitere derartige Anfälle weder vorausgesagt noch verhindert werden könnten. Deshalb müsse sie ihr Arbeitspensum sofort zurückschrauben "und vor allem den unnötigen Stress vermeiden, den öffentliche Reden ihr auferlegen könnten". Dem habe sie sich "mit großem Bedauern" gebeugt.

Neues Buch

Ihre Tochter Carol hatte schon im Jänner berichtet, dass Thatcher während eines Spanienurlaubs über Weihnachten einen "sehr, sehr kleinen" Schlaganfall erlitten, sich davon aber wieder gut erholt hatte. Vor kurzem hatte die "Eiserne Lady" eine Einladung ausgeschlagen, zum 20. Jahrestag des britischen Siegs über Argentinien im Falkland-Krieg die Inselgruppe im Südatlantik zu besuchen. Sie hätte bei den dortigen Feiern am 14. Juni Ehrengast sein sollen, hatte jedoch erklärt, sie könne diese lange Reise ihrem 86-jährigen Mann Dennis nicht zumuten.

Thatcher hatte in den letzten Tagen damit begonnen, ihr neues Buch "Statecraft" ("Staatskunst") in der Öffentlichkeit vorzustellen. Darin kritisiert sie, wie aus einem Vorabdruck bekannt wurde, die Schaffung der Europäischen Union als "vermutlich größte Torheit der Moderne". Die britische EU-Mitgliedschaft werde wahrscheinlich einmal als "politischer Fehler historischen Ausmaßes" gelten, schrieb die Konservative, die von 1979 bis 1990 als erste Frau Großbritannien regierte. Sich selbst hat sie schon 1987 bescheinigt, ihr Land von Grund auf zum Positiven transformiert zu haben.

Erst am vergangenen Sonntag hatte der "Sunday Express" berichtet, Thatcher wolle sich zum Jahresende völlig aus dem öffentlichen Leben zurückziehen, nachdem sie mit ihrem Gehör, dem Konzentrationsvermögen und dem Kurzzeitgedächtnis zunehmend Schwierigkeiten habe. Mit ihrer radikalen Kritik an der EU ("unreformierbar") steht sie im Gegensatz zur Politik des derzeitigen Vorsitzenden der Konservativen ("Tories"), Iain Duncan Smith, der das Thema nicht für aktuell hält.

Thatcher hatte auch während ihrer elf Amtsjahre immer wieder Kritik am Funktionieren der EU geübt und vor allem Wert auf einen engen politischen Schulterschluss mit den USA gelegt. Innenpolitisch gelang es ihr, die starke Macht der britischen Gewerkschaften zu brechen. Ihre Politik trug ihr daheim den Vorwurf sozialer Kälte ein. (APA/AP)

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