Österreichs militärisches "Geheimnis" sitzt in Salzburgs Bergen

22. März 2002, 16:24
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250 Menschen halten täglich den Bunker für die Regierung in Schuss

St. Johann - Der Lebensnerv Österreichs im Katastrophenfall sitzt in im Pongau.Nahe der Salzburger Kleinstadt ist in den Jahren 1977 bis 1982 die "Einsatzzentrale Basisraum" entstanden, um im Kriegsfall die militärische und zivile Führung des Landes sicher unterzubringen.

20 Jahre eines der bestgehütesten militärischen Geheimnisse Österreichs, hat das Bundesheer am Freitag einer Gruppe Journalisten die Einfahrt durch den ein Kilometer langen Stollen gestattet.

250 Beschäftigte arbeiten im Sicherheitshort

Vor der Einfahrt muss aber noch die Sicherheitsschleuse überwunden werden. Die 250 Beschäftigten müssen dabei täglich einen Check durchlaufen. Details dazu will Oberst Karl Gruber, als Kommandant der Luftraumüberwachung für die EZ/B freilich nicht nennen. Der Weg in den Berg wird dann üblicherweise mit dem Fahrrad oder zu Fuß erledigt. Gäste fahren mit dem "Bonzenheber", einem Elektrofahrzeug, das auch für den Materialtransport eingesetzt wird.

"Regierungsbunkers" ist ständig in Betrieb

Der militärische Teil des "Regierungsbunkers" ist ständig in Betrieb. In ihm befindet sich die Zentrale der militärischen Luftraumüberwachung: Eine Halle mit gedämpften Licht, wichtigste Ausstattung der knapp 20 Arbeitsplätze ist ein kreisrunder Monitor, "Scope" genannt, auf dem in verschiedenen Farben alle in Österreich und in der Umgebung durchgeführten Flugbewegungen mit verfolgt werden.

Beobachtung und Koordination

Verdächtige Flugzeuge werden schon jenseits der Grenzen beobachtet. Dabei kann es sich um militärische Maschinen handeln, bei denen die tatsächlichen Daten nicht mit der Überflugsgenehmigung übereinstimmen. Möglich ist aber auch, dass die Flieger überhaupt nicht identifiziert sind. In diesen Fällen erfolgt eine Meldung nach Wien, aus dem Verteidigungsministerium könnte der Befehl zu einem Alarmstart für die Draken-Abfangjäger kommen. Gehen die Jets in die Luft, wird ihr Flug wiederum von der EZ/B aus koordiniert.

Der Arbeitsplatz im Berg

Der Arbeitsplatz im Berg - insgesamt beschäftigt die EZ/B rund 250 Menschen, davon die Hälfte Zivilisten - ist ein karger. Gelblich-braun geflieste Böden in den Gängen, Büros mit Neonlicht. Und immer wieder muss man sich mittels der mit einem Magnetstreifen ausgestatteten Zutrittsberechtigung bei Kontrollstellen identifizieren. Damit soll zentral überprüfbar sein, wo jeder Bedienstete sich befindet. Sollte es brennen, wird damit die Suche nach Vermissten erleichtert.

Karg sind auch die Schlafkojen. Stollen, in Abteile nicht größer als in Liegewagen unterteilt, beherbergen die Pritschen aus Metall. Liegefläche ist ein grünes Kunststoffnetz. "Wir schlafen bei jeder Übung hier. Der Bundespräsident und der Bundeskanzler haben aber noch nicht geschlafen hier", erzählt Gruber.

Im Ernstfall wären die Spitzen des Staates da

Im Ernstfall wären die Spitzen des Staates aber da. Eine eigene Etage im Bunker ist für das staatliche Krisenmanagement reserviert. Auch verfügt das Bundeskanzleramt über ein Rechenzentrum im Berg. "Einige 100 Meter tief im Gebirge. Gegen Bomben und alles was es gibt gut geschützt. Besser als die Höhlen, wo sich der Herr Osama bin Laden verstecken soll", so Gruber nicht ohne stolz. Vorhanden sind selbstverständlich auch Sitzungszimmer und Büros.

Zwei, maximal drei Monate könnte der Bunker völlig autark existieren

Rund 500 Personen könnten im Ernstfall in EZ/B untergebracht sein, so Gruber. Wasser und Sauerstoff wird von außen hereingeholt, aufbereitet und gesäubert. Nukleare Verseuchung im Kalten Krieg wäre nicht in den Berg gekommen, ist Gruber überzeugt. Gegen moderne bakteriologische Waffen schützt man sich etwa mit Fischen. Extrem empfindlich, würden sie bei Verseuchungen verenden. Gegessen wird Astronautennahrung, dehydrierte Mahlzeiten. Zwei, maximal drei Monate könnte der Bunker völlig autark existieren. Gruber: "Das Szenario war nie, dass die Bundesregierung da drinnen einige Jahre einen Atomkrieg überlebt."

So viel Aufwand im Berg kann natürlich nicht verborgen bleiben. Während des Baus grassierten die wildesten Vorstellungen, erzählt eine Anrainerin. Wirtshäuser, in denen die Arbeiter verkehrten, waren beliebte Umschlagplätze für Gerüchte. Die Posten am Stolleneingang zu überlisten galt als Mutprobe.

"Dein Schweigen - Unser Schutz"

"Die Leute wissen sehr viel", gibt sich auch Gruber keinen Illusionen hin. Immerhin arbeiten 250 Menschen im Berg, fast jeder Bewohner habe einen Bekannten oder Verwandten darunter. Sicherheitsprobleme habe es aber nie gegeben, so Gruber. Die Betroffenen hätten immer informiert, wenn jemand sie auszuhorchen versucht habe. "Dein Schweigen - Unser Schutz" ist denn in der EZ/B auch auf vielen Tafeln zu lesen.

Auch die Zusammenarbeit mit der Bezirkshauptmannschaft scheint zu funktionieren: Als der russische Konsul in Salzburg um Fischereirechte in der nahe Ache ansuchte, wurde dieser Antrag abgelehnt, weiß Gruber. (APA)

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