Keine Angst vor den Auswüchsen der Gentechnik im Sport

25. März 2002, 10:30
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Experte: Genmanipulation kann jedoch durchaus die Leistung steigern

New York - Die Angst vor den Auswüchsen der modernen Gentechnik im Hochleistungssport ist nach Ansicht von Experten noch unbegründet. Nach dreitägigen Diskussionen von Wissenschaftlern und Medizinern mit der Spitze der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) in New York wurde Entwarnung gegeben.

Theodore Friedman, Professor für Kinderheilkunde am Zentrum für Molekular-Genetik der University of California, glaubt nicht an ein Horror-Szenario: "Wenn wir über Designer-Babys sprechen, muss ich sagen, dass man sich nicht vorstellen kann, wie man dies machen könnte. Zu viele Gene, zu viele nicht-genetische Einflüsse aus der Umwelt würden da eine Rolle spielen."

Allerdings erklärte Biochemiker Joseph Glorioso aus Pittsburgh, wie Genmanipulation durchaus zur Leistungssteigerung im Sport führen könnte: "Es geht darum, Gene in ein Gewebe einzuführen, die dann dort natürliche Produkte erzeugen. Diese wirken nur lokal, sie lassen einen Muskel schneller wachsen, oder effizienter auf Training reagieren. Dies ist ein Beispiel, wie Gentransfer wirklich verwendet werden könnte."

Positive Ergebnisse

Einigkeit besteht, dass die Gentherapie bei Krankheiten und Verletzungen zu positiven Ergebnissen führen wird. So könnte mit einem einzelnen veränderten Gen ein beschädigter Knorpel oder eine anfällige Sehne gestärkt werden. Das Problem: eine Grenze zwischen einer medizinischen Heilbehandlung und einem Geneingriff, der die Leistungsfähigkeit eines Athleten verbessert, ist praktisch nicht zu ziehen. Ein akuter Handlungsbedarf bestehe dennoch nicht.

"Die meisten Dinge sind noch in der Forschungs- oder Experimentierphase. In den nächsten fünf Jahren wird es zu keinen größeren Anwendungen kommen", erklärte der WADA-Vorsitzende Richard Pound. Auch das Fazit der Expertenrunde fiel positiv aus: Bisher gestaltete sich der Kampf gegen das Doping zu einem Hase-und- Igel-Wettbewerb, bei dem die Fahnder den Sündern hinterher hechelten. Beim Gendoping glaubt man sich einen Schritt voraus, da bereits in dieser frühen Phase Wissenschaftler und Mediziner in die Diskussion einbezogen werden.

"Unsere Forschung wird uns befähigen, nicht nur Schritt zu halten, sondern sogar die nächsten Schritte vorauszudenken", zeigte sich der Medizinprofessor Gary Wadler aus New York optimistisch. Gendoping werde im Hochleistungssport zur Anwendung kommen, die Kämpfer für einen sauberen Sport glauben sich aber gewappnet. Pound: "Wir werden eine Antwort auf diese Problematik haben." (APA/dpa)

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