Gemischte Gefühle bei österreichischer Bauindustrie

22. März 2002, 14:04
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Porr-General Pöchhacker: Keine Ende der Dumping-Schlacht am deutschen Markt - Strabag-Chef Haselsteiner hofft auf Umdenken

Wien - Mit gemischten Gefühlen nimmt Österreichs Bauindustrie die Pleite des Frankfurter Branchenriesen Holzmann zur Kenntnis. Zum einen hoffen Unternehmen, sich das eine oder andere Stück aus der Holzmann-Masse sichern zu können, zum anderen sieht man die Ursache der Großinsolvenz in der flauen Nachfrage und dem oft ruinösen Preiskampf, an denen man selbst leidet. Die Holzmann-Pleite wird diese Situation aber "nicht unmittelbar ändern, dazu gibt es zu viele Firmen auf dem Markt, die sich aggressivst um Aufträge bemühen", glaubt Strabag-Konzernchef Hans Peter Haselsteiner. "Aber vielleicht setzt mittelfristig ein gewisses Umdenken ein."

"Unwesentliche Bereinigung"

Die Pleite des 24.000 Beschäftigte zählenden deutschen Unternehmens bringt für Porr-Generaldirektor Horst Pöchhacker eine nur "unwesentliche Bereinigung" des deutschen Markts. Da gäbe es "Hunderte ernst zu nehmende Firmen" und "30 bis 40, die mit Dumpingpreisen arbeiten", weiß der Porr-Manager. "Das wird keine spürbare Entlastung bringen." Weitere Großinsolvenzen am deutschen Bau erwartet Pöchhacker nicht: "Die anderen Großen haben sich alle stabilisiert, aber viele Kleine und Mittlere wird es erwischen." Pöchhacker glaubt, dass der eigentliche Grund für den Untergang Philipp Holzmanns in dessen starker Expansion vor zehn Jahren liegt, das Unternehmen sei seit der letzten Liquiditätskrise nicht mehr wirklich zu retten gewesen. Das Holzmann-Management habe die beiden vergangenen Jahre eben "nicht ausreichend genutzt, die Kapazitäten anzupassen und Kosten zu senken", meint Haselsteiner.

Die heimischen Baukonzerne hatten vor zwei Jahren die staatliche Rettungsaktion Ende 1999 für den jetzt doch in die Pleite geschlitterten deutschen Baukonzern heftig kritisiert. Die abgebenen Kredite und Garantien seien unfair und verzerrten den Wettbewerb, hatte sich die Branche damals beklagt. Letztlich haben die damals zugesagten 250 Mill. DM (knapp 128 Mill. Euro) auch ihren eigentlichen Zweck - die Rettung des Traditionsunternehmens - nicht erreicht.

Der deutsche Teil des Bau Holding-Strabag-Konzerns, die Kölner Strabag hat am Freitag bereits ihr Interesse kundgetan, die Straßenbausparte von Holzmann zu übernehmen. Die Mannheimer Bilfinger Berger interessiert sich einem Zeitungsbericht zufolge an einer US-Tochter von Holzmann. Die Porr zeigt keine Ambitionen, sich Holzmann-Firmen zu sichern. Auf die Frage, ob er an einer Übernahme der österreichischen Ast-Holzmann interessiert sei, kommt von Pöchhacker ein klares "Nein". Die Mannschaft von Ast-Holzmann sei zwar gut - um in der derzeitigen Situation aber ein Unternehmen einzukaufen, müsse dieses außerordentlich gut "passen", außerordentlich viele Aufträge oder außerordentlich interessante Immobiliensubstanz haben, meint der Porr-Chef. (APA)

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