Die "Giftbrühe" Regenwasser

22. März 2002, 14:13
posten

VCÖ warnt vor Wasserverschmutzung durch Straßenverkehr

Wien - Auf die Wasserverschmutzung durch den Straßenverkehr hat der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) am Freitag anlässlich des Weltwassertages in einer Aussendung hingewiesen. Durch Kfz-Emissionen, Reifenabrieb und Straßenverschleiß gelangen hochgiftige Stoffe meist ungeklärt ins Grundwasser. Die Organisation forderte in Wasserschongebieten den Einsatz von Splitt statt Streusalz und die Reinigung der Autobahn- und Schnellstraßenabwässer.

750 Milliarden Liter Wasser gelangen laut VCÖ jährlich über die Straßen in das Grundwasser. Dies entspreche dem Wasserbedarf Österreichs für eineinhalb Jahre. Dieses Regenwasser, das den Schmutz aus der Fahrbahn wäscht, könne "ohne Übertreibung als Giftbrühe bezeichnet werden", erklärte Wolfgang Rauh vom Forschungsinstitut des Clubs.

Verursacher

Reifenabrieb, Fahrbahnverschleiß, Bodenmarkierungen, Kfz-Abgase, Streusalz und Tropfverluste nannte der VCÖ als Verursacher, von dem aus Schwermetalle und andere hochgiftige Schadstoffe in die Gewässer gelangen. Allein der Reifenabrieb setze in Österreich jährlich 123 Tonnen Zink, 418 Kilo Blei und 80 Kilo Cadmium frei, die praktisch auf der Fahrbahn liegen bleiben. Bis zum Jahr 2010 könnten die Cadmium-Emissionen um 50 Prozent steigen, warnte Rauh. Dieses Schwermetall kann Apathie, Nierenschäden, Immunschwäche und Skelettverformungen auslösen.

Laut Untersuchungen überschreiten Straßenabwässer die für Trinkwasser aufgestellten Grenzwerte ganz enorm, hieß es. Bei Chloriden sei bis zur 500fachen Menge gemessen worden, bei Blei gab es Überschreitungen bis zum 20fachen, bei Cadmium war es die zehnfache "Dosis". Sogar die Grenzwerte für Industrieabwässer werden von den Fahrbahnabwässern um das bis zu zehnfache überschritten.

Der Verbrauch an Streusalz betrage auf Autobahnen pro Jahr im Durchschnitt 5,7 Tonnen je Fahrstreifen und Kilometer, so Rauh. Im Bundesstraßennetz werden jährlich über 100.000 Tonnen Salz verwendet. Dies führe zu Schädigungen des Nährstoffhaushalts von Pflanzen und Bäumen und zur Beeinträchtigung der Trinkwasserqualität. (APA)

Share if you care.