"Entwicklung ohne Wasser ist nicht möglich"

23. März 2002, 18:44
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Zum Weltwassertag: Die kostbare Ressource "muss die höchste Priorität erhalten"

Wien - Ohne einen verbesserten Umgang mit Süßwasserressourcen wird eine wachsende Zahl von Menschen ihre primären Grundbedürfnisse nicht mehr befriedigen können. Dies erklärte der Direktor der in Wien ansässigen Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO), Mohamed El Baradei, am Freitag anlässlich der Feier des UNO-Weltwassertages in Wien. "Entwicklung ohne Wasser ist nicht möglich."

In der UNO-Millenniums Deklaration hätten die Staats- und Regierungschefs beschlossen, bis 2015 die Zahl der Menschen, die keinen Zugang zu Trinkwasser haben, auf die Hälfte zu reduzieren, rief El Baradei in Erinnerung. "Die Wissenschaft und Technologie spielen eine wichtige Rolle bei der Verbesserung der Methoden des Wassermanagements." UNO-Organisationen würden sich dieser Herausforderung stellen. "Die Atomenergiebehörde ist weltweit in Wasser-Projekten involviert."

Management von Grundwasser

Der Leiter der Hydrologischen Abteilung der IAEO, Pradeep Aggarwal, erklärte, die Atombehörde würde vorwiegend beim besseren Management von Grundwasser aktiv beteiligt sein. "Wir benützen natürliche Radioaktivität, um den Fluss des Grundwasser aufzuspüren." Auch bei der Erhitzung von Salzwasser zur Gewinnung von Süßwasser würde die Atombehörde eine Rolle spielen. "Wir vermitteln, dass die Atomenergie die billigste Art der Erhitzung ist." Die IAEO würde vor allem in Afrika und Lateinamerika und im geringeren Umfang in Asien Wasserprojekte betreuen.

Die indische Ministerin für Wasserressourcen B. Chakravarty forderte die Entwicklung von nachhaltigem Wassermanagement. Indien würde von der IAEO bei der nuklearen Entsalzung unterstützt werden, erklärte Chakravarty. "Wasser muss die höchste Priorität erhalten."

Anlässlich des Jahrestages wurde eine Kunstausstellung zum Thema Wasser eröffnet, die von Schulkindern aus zehn österreichischen und zehn ugandischen Schulen gestaltet worden war. 2002 wird der Weltwassertag zum zehnten Mal begangen.

Schätzungen zufolge haben laut einer UNO-Aussendung 1,1 Milliarden Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser, und mehr als fünf Millionen Menschen sterben jedes Jahr an Wasser-bedingten Krankheiten - zehn Mal so viele wie jedes Jahr durchschnittlich in Kriegen getötet werden.

Aktion gegen Liberalisierung

Die Umweltorganisation Global 2000 und die Globalisierungskritiker des Netzwerks zur demokratischen Kontrolle der Finanzmärkte, Attac, haben am Freitag mit einer Aktion in Mödling (Niederösterreich) gegen Liberalisierung und Privatisierung der Wasserversorgung protestiert. Aktivisten beider Organisationen haben das Aquädukt der Wiener Hochquellenwasserleitung erklettert und ein Transparent mit der Aufschrift "Hände weg von der Wasserversorgung. Stopp WTO!" angebracht. Die beiden Organisationen befürchten, dass private Monopolanbieter über das GATS, das Dienstleistungsabkommen der Welthandelsorganisation (WTO) die Verfügung über die Wasserressoucen an sich reißen.

Private Wasserversorger würden aus Profitgründen das kostbare Nass "nicht mehr so rein wie möglich, sondern gerade so sauber wie gesetzlich noch erlaubt anbieten" glaubt Global 2000-Referent Heinz Högelsberger. In Österreich seien die Industriellenvereinigung und das Umweltministerium Hauptprotagonisten der kritisierten Wasserpolitik, lautet der Vorwurf NGOs. Die beiden Gruppen fordern einen Stopp der GATS-Verhandlungen. Der Zugang zur Wasserversorgung sei ein "soziales Grundrecht und muss von öffentlichen und genossenschaftlichen Versorgern sichergestellt werden." (APA)

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